top of page

Geistliche Werke

Vier Magnificats

 

Antiphon zu Allerheiligen,

Großes Antiphon zum 18.Dezember,

Antiphon zur Geburt unseres Herrn,

Antiphon zum Vortag des Palmsonntags.

 

The Tallis Scholars unter der Leitung von Peter Philipps (* 1953)

Aufnahme: 2000

Teil I.

 

 

Track 1: Anonymus – Antiphon zur ersten Vesper des Allerheiligenfestes (1. November)

„O quam gloriosum est regnum“

 

Diese Antiphon eröffnet die erste Vesper zum Hochfest Allerheiligen am Abend des 31. Oktober. Der Text ist ein feierlicher Ausblick auf die himmlische Herrlichkeit, die den Heiligen verheißen ist. Die Kirche preist in dieser Antiphon nicht nur das Ziel der Erlösten, sondern lädt die Gläubigen ein, daran Anteil zu nehmen – durch Glauben, Heiligkeit und Hoffnung.

 

Die Vertonung stammt von einem anonymen Komponisten und ist vermutlich im Stil der Renaissance gehalten: mehrstimmig, ausgewogen, ruhig feierlich. Die Musik ist getragen von einer würdevollen Klangsprache, die nicht auf Emotion, sondern auf geistliche Tiefe zielt.

 

Deutsche Übersetzung des lateinischen Textes:

 

"O wie glorreich ist das Reich,

in dem alle Heiligen mit Christus sich freuen!

In weißen Gewändern bekleidet,

folgen sie dem Lamm, wohin es auch geht."

 

Diese Antiphon ist ein musikalischer Blick in das himmlische Jerusalem, ein ruhiges Lob der ewigen Gemeinschaft mit Christus. Die Musik unterstützt diese Vision, indem sie Transzendenz und Frieden ausstrahlt – als würde sie einen Raum des Lichtes eröffnen, in dem keine Angst und kein Streit mehr existieren. Als Einleitung zur Vesper des Allerheiligenfestes schafft sie eine Atmosphäre der Sammlung und Hoffnung.

 

 

Track 2: Nicolas Gombert – Magnificat I (Primi Toni)

Erster Vers: „Magnificat anima mea Dominum“

 

Mit diesem Vers beginnt Nicolas Gomberts erstes Magnificat, das im ersten Kirchenton (primi toni / dorisch) komponiert ist. Der dorische Modus ist fest, würdevoll, klar – und ideal geeignet für den liturgischen Charakter dieses Lobgesangs. Der Text „Magnificat anima mea Dominum“ (Meine Seele preist den Herrn) bildet den feierlichen Auftakt des marianischen Gesangs, der in der täglichen Vesper gesungen wird.

 

Gombert gestaltet diesen ersten Vers mit klar strukturierter Polyphonie. Die Stimmen treten in enger Imitation auf, fließen ruhig ineinander und bauen ein dichtes, aber transparentes Klanggewebe. Die Musik erhebt sich nicht in Jubel, sondern entfaltet sich in innerer Sammlung und erhabener Ruhe – ein Lobpreis ohne Überschwang, getragen von kontemplativer Kraft.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Meine Seele preist die Größe des Herrn."

 

Dieser erste Satz gibt den Ton für das gesamte Werk an: Es ist ein Lob, das nicht laut, sondern tief ist. Gomberts Musik bringt diese Haltung vollendet zum Ausdruck – sie lädt nicht zum Triumph, sondern zur Betrachtung. Das „Magnificat“ beginnt bei ihm nicht mit einem Ruf, sondern mit einem Gebet aus der Stille, das sich langsam entfaltet.

Track 3: Magnificat I (Primi Toni)

Zweiter Vers: „Quia respexit humilitatem ancillae suae“

 

In diesem Vers vertont Nicolas Gombert einen der persönlichsten Abschnitte des Magnificat: Maria spricht von der Niedrigkeit ihrer selbst und davon, dass Gott auf sie geschaut hat. Es ist ein stilles, inneres Staunen über die göttliche Erwählung. Im dorischen Modus (primi toni) entfaltet Gombert diesen Vers in einer verhaltenen, tief empfundenen Polyphonie, die ganz auf den geistlichen Gehalt des Textes ausgerichtet ist.

 

Die Musik ist zurückgenommen, aber präzise geführt. Die Stimmen setzen nacheinander ein, greifen sich auf, imitieren sanft – nichts drängt sich in den Vordergrund. Gombert lässt der Ehrfurcht Raum. Die Struktur bleibt klar, der Ausdruck gesammelt.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Denn er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut;

siehe, von nun an werden mich alle Geschlechter selig preisen."

 

Diese Passage ist in Gomberts Vertonung kein Ausbruch des Stolzes, sondern eine musikalische Verneigung vor der Demut Marias. Die Musik reflektiert die Spannung zwischen dem Irdisch-Kleinen und dem Göttlich-Großen – und tut dies mit stiller Tiefe, nicht mit lauter Geste.

Track 4: Magnificat I (Primi Toni)

Dritter Vers: „Et misericordia eius a progenie in progenies“

 

In diesem Vers seines ersten Magnificat, das im dorischen Modus (primi toni) steht, setzt Nicolas Gombert musikalisch die zentrale Aussage über Gottes dauerhaftes Erbarmen um. Der Text spricht davon, dass sich Gottes Barmherzigkeit über alle Generationen hinweg erstreckt – eine Botschaft der Hoffnung und Verlässlichkeit.

 

Gombert begegnet dieser Aussage mit einer ruhig fließenden, klangvollen Polyphonie. Die Stimmen imitieren sich gegenseitig in gemäßigtem Tempo, sodass ein Gefühl von Zeitlosigkeit und Beständigkeit entsteht. Die Musik wirkt weder starr noch aufgeregt, sondern offen und getragen. Der dorische Modus verleiht ihr eine ernste Klarheit, die ideal zu dieser Aussage passt.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Und sein Erbarmen gilt von Generation zu Generation

allen, die ihn fürchten."

 

In der musikalischen Ausdeutung dieses Verses zeigt sich Gomberts Gespür für geistliche Tiefe: Seine Musik eilt nicht, sondern verweilt – wie ein stiller Blick zurück durch die Geschichte des Glaubens. Der Klang wird zum Ausdruck der fortdauernden göttlichen Gegenwart, die über alle Zeiten hinweg trägt.

Track 5: Magnificat I (Primi Toni)

Vierter Vers: „Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles“

 

In diesem Vers seines ersten Magnificat, komponiert im dorischen Modus (primi toni), vertont Nicolas Gombert den berühmten Gedanken der göttlichen Umkehrung: Die Mächtigen werden gestürzt, die Demütigen erhöht. Diese Worte Marias bringen die radikale Gerechtigkeit Gottes auf den Punkt – und Gombert findet dafür eine musikalische Form, die kraftvoll und gleichzeitig maßvoll bleibt.

 

Die Polyphonie ist lebendig, aber nicht aufgeregt: Beim „Deposuit potentes“ sinken die Stimmen merklich ab – eine klangliche Geste des Sturzes. Beim „et exaltavit humiles“ heben sich die Linien wieder an, ohne Pathos, aber mit klarem musikalischem Zeichen. Der dorische Modus verleiht der Vertonung dabei eine erdige Würde, die auf Ausgewogenheit statt Dramatik setzt.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt

und die Niedrigen erhöht".

 

Diese musikalische Umsetzung ist kein Triumphgesang, sondern ein ernsthaftes Bekenntnis zur Gerechtigkeit Gottes. Gombert deutet den Text nicht moralisch oder politisch, sondern geistlich: Die Musik wird zum Spiegel göttlichen Wirkens, in dem menschliche Maßstäbe nicht mehr gelten. Der Wechsel zwischen Tiefe und Höhe in der Musik bringt genau das auf stille, eindrucksvolle Weise zum Ausdruck.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Track 6: Magnificat I (Primi Toni)

Fünfter Vers: „Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordiae suae“

 

In diesem Track vertont Nicolas Gombert den fünften Vers seines ersten Magnificat, das im ersten Kirchenton (primi toni / dorisch) steht. Der Text spricht von der treuen Zuwendung Gottes zu Israel, seinem Volk, in Erinnerung an das gegebene Heilversprechen. Der Gedanke der göttlichen Barmherzigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Magnificat – und hier findet er seine klare Formulierung.

 

Musikalisch gestaltet Gombert diese Passage mit einer ruhigen, sehr ausgewogenen Polyphonie. Die Stimmen entfalten sich in gleichmäßigem Fluss, in enger Imitation und klarem Aufbau. Der dorische Modus gibt der Musik einen festen, würdevollen Charakter, ohne Schwere – eine Klanggestalt des vertrauensvollen Glaubens.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Er hat sich seines Dieners Israel angenommen

und an sein Erbarmen gedacht."

 

Gomberts Tonsatz ist hier getragen und innig, mit einer feierlichen Ruhe, die den Text nicht überhöht, sondern ihn durchleuchtet. Es ist ein musikalisches Bekenntnis zur Treue Gottes – kein lauter Jubel, sondern eine stille Vergewisserung des Glaubens, musikalisch verankert in klarem Satz und ernstem Ton.

Track 7: Magnificat I (Primi Toni)

Sechster Vers: „Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto“

 

Mit diesem Track endet Nicolas Gomberts erstes Magnificat, komponiert im ersten Kirchenton (primi toni / dorisch). Der Schlussvers – die sogenannte kleine Doxologie – bringt den marianischen Lobgesang in den überzeitlichen Rahmen des dreifaltigen Gotteslobes. In der Liturgie beschließt das Gloria Patri jedes Magnificat und lenkt den Blick vom persönlichen Lob Marias hin zur ewigen Herrlichkeit der Trinität.

 

Gomberts Vertonung dieses Verses ist von ruhiger Feierlichkeit geprägt. Die Polyphonie bleibt eng geführt, die Imitationen wohlgeordnet, die Stimmführung ausgeglichen – ein würdevoller, nicht überhöhter Schluss. Der dorische Modus verleiht dem Klang eine ernste Festlichkeit, die weder düster noch überschwänglich ist, sondern gesammelt und erhaben.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen."

 

In Gomberts musikalischer Sprache wird dieses „Ehre sei“ nicht zum bloßen Abschluss, sondern zu einem stillen Hinübergleiten in die Ewigkeit. Der Lobpreis endet nicht – er klingt weiter, jenseits des letzten Akkords. Dieses Gloria bildet den krönenden Abschluss eines Magnificat, das in seiner ganzen Struktur die Tiefe und Schönheit liturgischen Denkens und Komponierens in der Hochrenaissance offenbart.

 

 

Track 8: Anonymus – Antiphon zur ersten Vesper des Allerheiligenfestes (Reprise)

„O quam gloriosum est regnum“ – Wiederholung nach dem Magnificat

 

Diese Antiphon gehört zur liturgischen Vesper des Hochfestes Allerheiligen (1. November). Der Text „O quam gloriosum est regnum“ wird traditionell vor dem ersten Psalm gesungen – und nach dem Magnificat feierlich wiederholt. Diese Reprise verleiht der Vesper einen geschlossenen, meditativen Rahmen und bringt die Hoffnung auf das ewige Leben noch einmal in den Mittelpunkt.

 

Die Musik stammt von einem anonymen Komponisten und ist vermutlich im Stil der franko-flämischen Renaissance gehalten: mehrstimmig, ruhig fließend und feierlich, aber nicht überladen. Die Vertonung strahlt Erhabenheit und Zuversicht aus – eine musikalische Vision der himmlischen Herrlichkeit.

 

Deutsche Übersetzung des lateinischen Textes:

 

O wie glorreich ist das Reich,

in dem alle Heiligen mit Christus sich freuen!

In weißen Gewändern bekleidet,

folgen sie dem Lamm, wohin es auch geht.

 

Diese Antiphon ist ein Lobgesang auf die Vollendung der Heiligen, auf das Ziel des Glaubens. Ihre Wiederholung nach dem Magnificat unterstreicht noch einmal, wohin der Weg führt, den Maria im Magnificat im Glauben beschreibt: zur Gemeinschaft mit Christus im ewigen Licht. Die Musik trägt diese Botschaft in ruhiger Feierlichkeit – ein Moment liturgischer Sammlung und Hoffnung.

Track 9: Anonymus – Große Antiphon zum 18. Dezember: „O Adonai“

 

Diese Antiphon ist die zweite der berühmten sieben „O-Antiphonen“, die vom 17. bis 23. Dezember jeweils in der Vesper vor dem Magnificat gesungen werden. Sie richten sich in Erwartung des kommenden Messias an Christus selbst und sind durch ihre poetische Dichte und prophetische Bildsprache besonders eindrucksvoll. Die Antiphon vom 18. Dezember trägt den Titel „O Adonai“ und ruft Christus als Herrn und Gesetzgeber Israels an – als den, der sich Mose im brennenden Dornbusch offenbarte.

 

Die Musik dieses Tracks stammt von einem anonymen Komponisten, ist aber im Stil der Hochrenaissance gehalten, mit schlichter, feierlicher Mehrstimmigkeit. Sie verleiht dem kurzen liturgischen Text eine Atmosphäre ehrfürchtiger Erwartung und andächtiger Hoffnung.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"O Herr und Führer des Hauses Israel,

du bist dem Mose im flammenden Dornbusch erschienen

und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben:

Komm, um uns mit ausgestrecktem Arm zu erlösen."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Track 10: Magnificat II (Secundi Toni)

Erster Vers: „Magnificat anima mea Dominum“

 

Diese Vertonung ist Teil von Nicolas Gomberts zweitem Magnificat-Zyklus, der im zweiten Kirchenton (secundi toni, also hypodorisch) steht. Der zweite Modus klingt in der Regel etwas milder, nach innen gewandt und warm. Gombert bleibt seiner kompositorischen Handschrift treu: Er verbindet eine dichte, eng gewobene Polyphonie mit sanfter Klangfülle und rhythmischer Ruhe – ideal geeignet, um die kontemplative Tiefe des marianischen Lobgesangs musikalisch auszudrücken.

 

In diesem Track wird der erste Vers des Magnificat polyphon vertont. In der Liturgie wird das Magnificat in sogenannter alternatim-Praxis gesungen, d. h. die ungeraden Verse werden kunstvoll mehrstimmig komponiert, während die geraden im schlichten gregorianischen Stil erklingen. Gombert greift also hier den Eröffnungsvers auf, in dem Maria Gott lobt für sein gnädiges Eingreifen in ihr Leben.

 

Deutsche Übersetzung des 1. Verses:

 

"Meine Seele preist die Größe des Herrn."

 

Dieser erste Vers ist der feierliche Auftakt des ganzen Lobgesangs und entfaltet in Gomberts Vertonung einen ruhigen, doch klanglich reichen Beginn, der den inneren Jubel Marias in kunstvoller Mehrstimmigkeit hörbar macht. Der Satz ist nicht dramatisch, sondern getragen und ehrfürchtig – er öffnet Raum für das Göttliche, das sich im Menschlichen offenbart.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Track 11: Magnificat II (Secundi Toni)

Zweiter Vers: „Quia respexit humilitatem ancillae suae“

 

Dieser Track enthält den zweiten polyphon vertonten Vers aus Gomberts Magnificat II im zweiten Modus (secundi toni). Es handelt sich um einen der emotional tiefsten Momente im gesamten Text: Maria bekennt in aller Demut, dass Gott auf ihre Niedrigkeit geblickt hat – ein zentrales Motiv des Magnificat.

 

Gombert setzt diesen Vers mit seiner typischen klanglichen Dichte und Imitationstechnik. Die Musik ist ruhig, dabei ausdrucksstark und verweilt förmlich auf der ehrfürchtigen Haltung Marias. Der zweite Modus, leicht introvertiert und sanft, verleiht der Passage eine besondere Zartheit und Würde.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Denn er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut;

siehe, von nun an werden mich alle Geschlechter selig preisen."

 

Der Satz lebt vom Kontrast zwischen der menschlichen Kleinheit und der göttlichen Erwählung. Gombert bringt diesen Spannungsbogen zum Klingen: In der Musik spiegelt sich einerseits Marias tiefe Demut, andererseits die große Würde, die ihr durch die Erwählung zuteilwird. Der musikalische Ausdruck bleibt verhalten und edel – ein Moment der stillen Erhebung.

 

Track 12: Magnificat II (Secundi Toni)

Dritter Vers: „Et misericordia eius a progenie in progenies“

 

In diesem Track vertont Nicolas Gombert den dritten polyphonen Abschnitt seines zweiten Magnificat im zweiten Modus (secundi toni). Der Text spricht von der Barmherzigkeit Gottes, die sich über Generationen hinweg erstreckt – ein zentrales Motiv biblischer Theologie und marianischer Frömmigkeit.

 

Gombert behandelt diesen Vers mit der ihm eigenen dichten Polyphonie: Die Stimmen verschlingen sich in kunstvoller Imitation, wobei die Musik nicht nur innere Andacht vermittelt, sondern auch einen überzeitlichen Charakter entfaltet – so, wie der Text von der fortdauernden Gnade Gottes spricht. Die ruhige Tonart des zweiten Modus unterstützt diesen Eindruck von Zeitlosigkeit und Beständigkeit.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Und sein Erbarmen gilt von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten."

 

Der musikalische Charakter dieser Passage ist feierlich und zugleich tiefgründig. Es ist kein triumphaler Lobpreis, sondern ein kontemplatives Staunen über Gottes Güte durch die Jahrhunderte. Gomberts Musik verweilt auf der Idee des „Erbarmens“, lässt die Stimmen fließen und sich umschließen – als würde die göttliche Barmherzigkeit selbst musikalisch greifbar werden.

 

Track 13: Magnificat II (Secundi Toni)

Vierter Vers: „Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles“

 

Dieser Abschnitt gehört zu den eindrucksvollsten und kraftvollsten Momenten im gesamten Magnificat-Text: Er beschreibt, wie Gott die Ordnung der Welt umkehrt – die Mächtigen stürzt er vom Thron, die Niedrigen erhöht er. Nicolas Gombert vertont diesen Vers im Rahmen seines Magnificat II im zweiten Kirchenton (secundi toni) und bringt dabei die kontrastreichen Aussagen des Textes klanglich zur Geltung.

 

Gombert nutzt seine charakteristische Polyphonie und Imitationstechnik, um Bewegung, Dramatik und innere Spannung zu erzeugen. Der musikalische Satz ist intensiver als in den vorangegangenen Versen – hier spürt man einen Wechsel in der Ausdruckskraft: Die „potentes“ (die Mächtigen) sinken musikalisch ab, während die „humiles“ (die Demütigen) sich klanglich erheben. Trotz dieser Dynamik bleibt der Gesamtcharakter des Werkes kontemplativ und ausgewogen, wie es dem zweiten Modus entspricht.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Er stürzt die Mächtigen vom Thron

und erhöht die Niedrigen."

 

Gomberts Musik verleiht diesen Worten eine fast szenische Qualität – und doch bleibt sie liturgisch eingebettet, streng polyphon und formal ausgewogen. Es ist ein musikalisches Bild der göttlichen Gerechtigkeit, wie sie Maria in ihrem Lobgesang preist: machtvoll, doch zugleich barmherzig und still.

 

Track 14: Magnificat II (Secundi Toni)

Fünfter Vers: „Suscepit Israel puerum suum“

 

In diesem Track vertont Nicolas Gombert den Vers „Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordiae suae“, den vorletzten Vers des Magnificat. Der Text bezieht sich auf Gottes treues Handeln an seinem Volk Israel – ein Rückblick auf die Heilsgeschichte, in der Gott seine Barmherzigkeit immer wieder neu offenbart.

 

Die Vertonung dieses Verses steht im zweiten Kirchenton (secundi toni), der für seine ruhige, nach innen gekehrte Klanglichkeit bekannt ist. Gombert entfaltet den Satz in seiner typischen, dichten Polyphonie, jedoch mit einer gewissen Sanftheit und Wärme. Die Musik wirkt wie ein geborgener Rückzug in den Trost der göttlichen Treue. Die Stimmen umfließen einander gleichmäßig, es gibt keine scharfen Kontraste, sondern eine Art musikalisches Umhülltsein – ganz im Sinne des Textes.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Er hat sich seines Knechtes Israel angenommen,

und an sein Erbarmen gedacht."

 

Gomberts Musik verleiht diesem Vers einen leisen, dankbaren Nachklang. Sie ist nicht triumphal, sondern voller stiller Gewissheit: Gott handelt treu, wie er es verheißen hat. Gerade in dieser Schlichtheit entfaltet sich die Tiefe seiner Komposition.

 

 

Track 15: Magnificat II (Secundi Toni)

Sechster Vers: „Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto“

 

Mit diesem Track endet Nicolas Gomberts Magnificat II im zweiten Kirchenton (secundi toni). Die Vertonung des „Gloria Patri“ – der sogenannten kleinen Doxologie – bildet den feierlichen Abschluss eines jeden Magnificat und verbindet das Lob Marias mit dem dreifaltigen Lobpreis Gottes. Es ist der Moment der höchsten Erhebung und des Übergangs von der persönlichen Marien-Stimme zum allgemeinen, zeitlosen Lob der ganzen Kirche.

 

Gomberts Vertonung dieses Abschnitts ist kunstvoll und ausgewogen. Er bleibt dem polyphonen Stil treu, aber die Musik gewinnt an Weite und Feierlichkeit. Der zweite Modus verleiht der Passage eine ruhige Größe – keine ekstatische Steigerung, sondern eine klangvolle Bestätigung göttlicher Größe und Ewigkeit.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen."

 

Diese Schlussdoxologie ist nicht nur musikalisch das Ende, sondern auch inhaltlich die Vollendung des Magnificat: Sie hebt den Blick vom persönlichen Geschehen Marias hin zur ewigen Herrlichkeit Gottes. Gomberts Satz wirkt wie ein ruhiger, leuchtender Schlussakkord – ein würdiges Ende eines geistlichen Kunstwerks voller Tiefe.

 

 

Track 16: Anonymus – Große Antiphon zum 18. Dezember (Reprise)

„O Adonai“ – Wiederholung zum Abschluss der Vesper

 

Diese Antiphon ist die Wiederholung der großen „O-Antiphon“ „O Adonai“, die bereits am 18. Dezember als Teil der Adventsvesper erklang (vgl. Track 9). In der traditionellen Vesper-Liturgie wird die Antiphon nach dem Magnificat erneut gesungen – als klanglicher Rahmen und meditativer Abschluss.

 

Die Reprise gibt dem feierlichen Ruf nach dem kommenden Erlöser Nachdruck. Der Text erinnert an Gottes Offenbarung im Alten Bund und verbindet sie mit der Erwartung des Messias. Die anonyme Vertonung folgt dem Stil der Zeit: mehrstimmig, aber schlicht gehalten, ehrfürchtig und kontemplativ.

 

Deutsche Übersetzung des lateinischen Textes:

 

"O Herr und Führer des Hauses Israel,

du bist dem Mose im flammenden Dornbusch erschienen

und hast ihm auf dem Sinai das Gesetz gegeben:

Komm, um uns mit ausgestrecktem Arm zu erlösen."

 

Diese kurze Wiederaufnahme ist musikalisch und spirituell ein Moment der Sammlung. Sie verweist noch einmal auf die große Erwartung des Advents – auf das Licht, das kommen soll. Als Reprise schließt sie die Vesper musikalisch ab, nicht in lauter Freude, sondern in stiller, ernster Hoffnung.

 

Track 17: Anonymus – Antiphon zur ersten Vesper der Geburt des Herrn (25. Dezember)
„Tecum principium“

 

Diese Antiphon gehört zur ersten Vesper des Hochfestes der Geburt Christi (Nativitas Domini, 25. Dezember) und wird traditionell vor dem Psalm 110 (Vulgata: Psalm 109) gesungen. Der Text hat alttestamentliche Wurzeln und wurde in der christlichen Liturgie als prophetische Ankündigung Christi verstanden – als ewigen Sohn, gezeugt vor aller Zeit, König und Priester in Ewigkeit.

 

Die Vertonung in diesem Track stammt von einem anonymen Komponisten, ist aber im Stil der späten Renaissance gehalten: ruhig, ausgewogen und ehrfürchtig. Die Musik betont das Majestätische des Textes, ohne dramatisch zu sein – sie vermittelt eine feierliche Stille, passend zur Vesper am Heiligen Abend.

 

Deutsche Übersetzung des lateinischen Textes:

 

"Dir gehört die Herrschaft am Tage deiner Macht,

im Glanz der Heiligen:

aus dem Schoß, vor dem Morgenstern, habe ich dich gezeugt."

 

Der Text (aus Psalm 110,3) spricht vom ewigen Ursprung des Sohnes Gottes – „vor dem Morgenstern“ – und deutet die Geburt Christi als Offenbarung eines bereits existierenden, göttlichen Königtums. Die Musik unterstreicht diesen Gedanken mit einem ruhigen, festlichen Ton, der nicht auf äußere Wirkung zielt, sondern auf inneres Verstehen.

 

 

 

Track 18: Magnificat III (Tertii et Octavi Toni)

Erster Vers: „Magnificat anima mea Dominum“

 

Mit diesem Track beginnt Nicolas Gomberts dritte Vertonung des marianischen Lobgesangs, das Magnificat III, das er einer besonderen modalen Kombination widmet: dem dritten und achten Kirchenton (tertio et octavo tono). Diese seltene Verbindung lässt darauf schließen, dass Gombert hier sowohl den herb-ernsten Charakter des phrygischen Modus (3. Ton) als auch die weit gespannte Festlichkeit des hypomixolydischen Modus (8. Ton) miteinander kombiniert.

 

Der erste Vers „Magnificat anima mea Dominum“ („Meine Seele preist den Herrn“) wird hier mehrstimmig polyphon gesetzt. Gombert entfaltet diesen Satz in seiner charakteristisch dichten Stimmführung mit fließender Imitation und ausgewogener Klangarchitektur. Die Musik wirkt dabei zugleich innig und majestätisch – ein würdiger Auftakt für ein Werk, das zwischen Demut und himmlischem Glanz vermittelt.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Meine Seele preist die Größe des Herrn."

 

In dieser Vertonung klingt der erste Jubel Marias nicht triumphal, sondern tief verinnerlicht. Die Musik öffnet einen Raum des geistigen Lobes, in dem die Stimme der Gottesmutter durch viele verschlungene Linien zugleich persönlich und stellvertretend für die ganze Kirche spricht.

Track 19: Magnificat III (Tertii et Octavi Toni)

Zweiter Vers: „Quia respexit humilitatem ancillae suae“

 

In diesem Track vertont Nicolas Gombert den zweiten Vers seines dritten Magnificat im Modus „Tertii et Octavi Toni“, einer ungewöhnlichen Kombination aus dem phrygischen (3. Ton) und dem hypomixolydischen (8. Ton). Diese Tonarten spiegeln sich auch in der Musik wider: Gombert verbindet hier eine tiefe Innerlichkeit mit klanglicher Weite.

 

Der Text, den Maria spricht, ist einer der innigsten des ganzen Lobgesangs: Sie bekennt die eigene Demut und zugleich das große Wunder der göttlichen Erwählung. Gomberts Vertonung zeichnet diesen geistigen Bogen nach: mit dichter Polyphonie, aber auch mit bewusst gesetztem Raum für Empfindung. Die Stimmen verschlingen sich nicht wie in manch anderen seiner Werke, sondern bewegen sich etwas freier, wodurch die Aussage klar und eindringlich bleibt.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Denn er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut;

siehe, von nun an werden mich alle Geschlechter selig preisen."

 

Die Musik bringt das Ergriffensein Marias zum Ausdruck: nicht pathetisch, sondern in einer würdevollen, bewegten Ruhe. Gombert macht hier keine Theaterszene, sondern ein kontemplatives Bild der Erwählung – in leiser Größe.

 

 

Track 20: Magnificat III (Tertii et Octavi Toni)

Dritter Vers: „Et misericordia eius a progenie in progenies“

 

In diesem Track vertont Nicolas Gombert (ca. 1495–1560) den dritten Vers seines Magnificat III, das im phrygischen und hypomixolydischen Modus (tertio et octavo tono) steht. Diese besondere Kombination verleiht dem Werk einen ungewöhnlichen Charakter: auf der einen Seite tiefgründig und ernst, auf der anderen festlich und lichtvoll. Genau diese Mischung passt zum Vers, den Gombert hier in kunstvoller Mehrstimmigkeit gestaltet: Es geht um das bleibende Erbarmen Gottes durch alle Generationen hindurch.

 

Gomberts Musik bewegt sich ruhig und gleichmäßig, mit sanfter Imitation und feinem Stimmverlauf. Der Text erhält durch die Musik eine zeitlose Weite, ohne dabei distanziert zu wirken – vielmehr ist sie getragen von einem Gefühl der Verlässlichkeit, wie es der Inhalt ausdrückt.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Und sein Erbarmen gilt von Generation zu Generation

allen, die ihn fürchten."

 

In dieser Passage zeigt Gombert, wie tief geistliche Musik wirken kann, ohne laut zu werden. Die Musik drängt sich nicht auf, sondern trägt. Sie hüllt den Text in einen ruhigen Klangraum ein, der über Jahrhunderte hinweg zu sprechen scheint – ein musikalisches Sinnbild für Gottes bleibende Treue.

 

 

Track 21: Magnificat III (Tertii et Octavi Toni)

Vierter Vers: „Deposuit potentes de sede, et exaltavit humiles“

 

In diesem Track vertont Nicolas Gombert einen der zentralsten Verse des Magnificat – den machtvollen Wendepunkt, an dem Maria das Handeln Gottes an der Weltordnung beschreibt. Der Kontrast zwischen Sturz und Erhöhung, zwischen Hochmut und Demut steht im Mittelpunkt.

 

Musikalisch bringt Gombert diesen Gegensatz mit großer Ausdruckskraft zum Tragen. Der phrygisch-hypomixolydische Modus (tertio et octavo tono) bietet ihm dafür ein ideales Klangfeld: Der phrygische Ton verleiht der Vertreibung der Mächtigen eine gewisse Herbheit, während der achte Ton in der Erhöhung der Niedrigen zu leuchten beginnt. Die Polyphonie ist kunstvoll verdichtet, doch klar strukturiert – wie ein musikalisches Gleichnis über göttliche Gerechtigkeit.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Er hat die Mächtigen vom Thron gestürzt

und die Niedrigen erhöht."

 

Gomberts Satz lebt von Bewegung: Er arbeitet mit klanglichen Gegensätzen, mit Abstiegen und Aufschwüngen in den Stimmen. Und dennoch bleibt alles im Rahmen liturgischer Würde – kein Theater, sondern ein stilles Nachdenken über die Umkehrung menschlicher Maßstäbe im Licht göttlichen Handelns.

Track 22: Magnificat III (Tertii et Octavi Toni)

Fünfter Vers: „Suscepit Israel puerum suum, recordatus misericordiae suae“

 

In diesem Track vertont Nicolas Gombert den fünften und inhaltlich abschließenden Teil des Magnificat-Textes vor der Doxologie. Der Vers richtet den Blick zurück auf die Heilsgeschichte: Gott hat sich seines Volkes Israel angenommen – aus Treue, nicht aus Pflicht. Der Ton des Textes ist ruhig, dankbar und in tiefer Erinnerung verwurzelt.

 

Gomberts Vertonung im kombinierten 3. und 8. Modus (tertio et octavo tono) spiegelt diese Grundhaltung wider. Der phrygische Modus bringt eine gewisse Nachdenklichkeit mit sich, der achte Modus sorgt für Weite und ein sanftes Strahlen. In Gomberts Händen wird der Satz zu einem musikalischen Gebet – ohne Pathos, aber voller Innerlichkeit. Die Polyphonie wirkt wie ein Gewebe aus Erinnerung und Vertrauen.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Er hat sich seines Dieners Israel angenommen,

und an sein Erbarmen gedacht."

 

In diesem Vers wird die Verbindung zwischen Gottes Treue und der Geschichte seines Volkes hörbar gemacht. Gombert lässt die Musik nicht in großen Gesten aufgehen, sondern formt einen behutsamen, warmen Schlussbogen, der bereits auf das „Gloria Patri“ vorbereitet.

Track 23: Magnificat III (Tertii et Octavi Toni)

Sechster Vers: „Gloria Patri, et Filio, et Spiritui Sancto“

 

Mit diesem Track endet Nicolas Gomberts dritte Magnificat-Vertonung im phrygisch-hypomixolydischen Modus (tertio et octavo tono). Die abschließende Doxologie, das „Gloria Patri“, krönt das Werk mit einem dreifaltigen Lobpreis: Vater, Sohn und Heiliger Geist werden gemeinsam gepriesen – eine liturgische Formel, die das Magnificat stets abschließt und es aus der Zeitlichkeit des biblischen Geschehens in die Ewigkeit überführt.

 

Gomberts Vertonung ist in diesem letzten Abschnitt besonders feierlich und ausgeglichen. Die Stimmführung bleibt kunstvoll verwoben, doch das Klangbild weitet sich – ein stilles Leuchten durchzieht den Satz. In der Kombination aus phrygischem Ernst und hypomixolydischer Helligkeit klingt die Musik wie ein ruhiges „Amen“ zur Größe Gottes.

 

Deutsche Übersetzung:

 

"Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen."

 

Die Musik klingt nicht triumphal aus, sondern gefasst und gesammelt – in tiefer liturgischer Würde. Gomberts Doxologie ist kein Schluss im weltlichen Sinn, sondern ein Hinübergleiten in die zeitlose Anbetung, wie sie dem Wesen dieses Lobgesangs entspricht.

bottom of page