Leopold Koželuch (1747–1818)
Leopold Koželuch (1747–1818), getauft Jan Antonín Koželuh, gehörte zu den angesehensten böhmisch-wienerischen Musikern des späten 18. Jahrhunderts. Er wirkte als Komponist, Pianist, Klavierlehrer, Verleger und Hofmusiker und zählte in Wien zu denjenigen Persönlichkeiten, die das Musikleben nicht nur durch einzelne Werke, sondern ebenso durch Unterricht, Aufführungspraxis, gesellschaftliche Vernetzung und verlegerische Tätigkeit prägten. Geboren wurde er am 26. Juni 1747 in Welwarn (heute Velvary in Böhmen), gestorben ist er am 7. Mai 1818 in Wien. In Wien erlangte er große Bekanntheit als Klavierlehrer und Pianist; seit 1792 bekleidete er zudem die Ämter des Hofkomponisten und des Kammerkapellmeisters.
Leopold Koželuch entstammte bürgerlichen Verhältnissen; er war eines von sechzehn Kindern des Schusters Anton Bartholomäus Koželuh (1708–1794) und dessen Frau Magdalena. Für seine frühe Lebenswelt ist besonders wichtig, dass er keineswegs in einer musikalisch unberührten Umgebung aufwuchs. Sein älterer Cousin Jan Antonín Koželuh (1738–1814) war selbst Komponist, und gerade die fast identischen Namen beider Vettern führten später immer wieder zu Verwechslungen bei der Zuschreibung von Werken und biographischen Stationen. Um sich von diesem Cousin deutlicher abzuheben, nahm der jüngere Jan Antonín später den Vornamen Leopold an.
Den ersten Musikunterricht erhielt Koželuch in Welwarn bei Anton Kubík. Die weitere musikalische Ausbildung übernahmen sein Cousin Jan Antonín Koželuh sowie František Xaver Dušek (1731–1799). Danach besuchte er das Gymnasium in Prag und nahm ein Jurastudium auf, das er jedoch nicht abschloss. Stattdessen entschied er sich endgültig für die Musik. Diese Abfolge ist für sein späteres Profil charakteristisch: Koželuch war kein bloßes Wunderkind, sondern ein gebildeter, planvoll handelnder Musiker, der seine Laufbahn bewusst formte.
Seine ersten größeren Erfolge errang er nicht in Wien, sondern im Prager Theaterleben. Seit 1771 komponierte er zahlreiche Ballettmusiken für Prager Bühnen; das Österreichische Biographische Lexikon fasst diese Phase knapp und präzise mit der Angabe zusammen, er sei von 1771 bis 1778 „als Ballettkomponist für das Prager Nationaltheater tätig“ gewesen. Dieser Abschnitt ist für sein künstlerisches Profil von zentraler Bedeutung. Koželuch kam also nicht als unerfahrener Klavierkomponist nach Wien, sondern als praktisch erprobter Bühnenmusiker, der Aufführungspraxis, szenische Wirkung und die Anforderungen des Theaters aus eigener Arbeit kannte. Dass ein erheblicher Teil dieser frühen Bühnenwerke heute verschollen ist, hat seinen Nachruhm gewiss geschmälert; an seiner damaligen Bedeutung ändert das nichts.
Mit der Übersiedlung nach Wien im Jahr 1778 begann sein eigentlicher Aufstieg. Dort wurde Koželuch rasch als Lehrer und Pianist bekannt und wirkte als Nachfolger Georg Christoph Wagenseils (1715–1777) als Musiklehrer am Kaiserhof. Zugleich trat er in Wien als Pianist und Klavierlehrer hervor und veranstaltete in seinem Haus Privatakademien. Gerade diese Verbindung ist biographisch besonders wichtig: Koželuch stand zugleich im höfischen Umfeld, im aristokratischen Unterrichtswesen und im halböffentlichen Konzertleben. Er war damit keine Randfigur, sondern eine der prägenden Gestalten des Wiener Klavierlebens der 1780er Jahre.
Wie hoch sein Ansehen als Lehrer war, zeigt sein Schülerkreis. Maria Theresia Paradis (1759–1824) erhielt Klavierunterricht bei Georg Friedrich Richter und Leopold Koželuch; außerdem wird hervorgehoben, Koželuch habe ihrem Spiel jene „Zartheit, Biegsamkeit, Deutlichkeit und Anmuth“ verliehen, für die sie gerühmt wurde. Auch Josepha Barbara Auernhammer (1758–1820) gehört in diesen Zusammenhang: Unter ihren namentlich bekannten Lehrern finden sich Georg Friedrich Richter, Leopold Koželuch und Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791). Gerade diese Konstellation ist aufschlussreich. Sie zeigt, dass Koželuch im Wiener Klavierleben nicht abseits stand, sondern sich im unmittelbaren Umfeld Mozarts auf demselben Feld von Unterricht, Ansehen und Konkurrenz bewegte.
Maria Theresia Paradis (1759–1824)
Das Verhältnis zu Mozart ist für Koželuchs Lebensbild von besonderem Gewicht. Ein direktes langes Verdammungsurteil Mozarts über Koželuch ist nicht überliefert, doch die Briefe der Familie Mozart sind aufschlussreich genug. Leopold Mozart (1719–1787) schrieb am 15. Dezember 1780 in auffallend flapsigem Ton von „oder wie das ding heist“, als er Koželuch erwähnte. Schon diese kleine Stelle zeigt, dass Koželuch im Hause Mozart sehr wohl bekannt war und dort keineswegs mit besonderer Sympathie betrachtet wurde. Entscheidend ist dann Wolfgang Amadé Mozarts Brief an den Vater vom 4. Juli 1781. Darin berichtet Mozart, der Salzburger Erzbischof Hieronymus von Colloredo (1732–1812) habe Koželuch eine Stelle angetragen; Koželuch habe jedoch dankend abgelehnt, weil er in Wien besser stehe. Besonders wichtig ist dabei die Begründung, die Mozart ihm zuschreibt: „die affaire mit dem Mozart schreckt mich“. Diese Stelle belegt erstens, dass Koželuch als möglicher Nachfolger Mozarts in Salzburg ernsthaft in Betracht gezogen wurde. Sie zeigt zweitens, dass Koželuch seine Wiener Stellung bereits als günstiger einschätzte. Und sie zeigt drittens, dass er Mozarts Rang sehr wohl erkannte und gerade aus dessen Behandlung durch Colloredo seine Konsequenzen zog.
Interessant ist ein Fakt, dass Mozart 1789 davon spricht, Werke „bey Kozeluch“ auf eigene Kosten stechen zu lassen. Damit ist das Wiener Verlagshaus Koželuch gemeint, das damals noch unter dem Namen Leopold Koželuchs firmierte. Aus Mozarts Formulierung darf man daher wohl auf eine geschäftliche Verbindung zum Verlag schließen, nicht jedoch ohne Weiteres auf ein besonders enges persönliches Verhältnis zwischen Mozart und Leopold Koželuch.
Ein besonders aufschlussreiches Indiz für Koželuchs Nähe zum Wiener Mozart-Umfeld ist die spätere Zuschreibung eines seiner Werke an Mozart. Im heutigen Köchel-Verzeichnis wird KV Anh. C 24.01 ausdrücklich als „Drei Stücke für Clavier zu 4 Händen aus der Ballettmusik La ritrovata figlia di Ottone II von Leopold Kozeluch“ geführt; der Eintrag ist dort zugleich als „falsch zugewiesen“ gekennzeichnet, also als Werk, das früher Mozart zugeschrieben wurde, in Wahrheit aber von Koželuch stammt. Zu diesen vierhändigen Stücken gehören Gavotte, Allegro und Marcia lugubre. Gerade dieser Fall ist biographisch interessant, weil er zeigt, dass Koželuchs Musik stilistisch und im Überlieferungszusammenhang so nahe an die Wiener Klassik heranrückte, dass sie zeitweise in den Bereich der Mozart-Zuschreibungen geriet. Als Beleg für ein enges persönliches Verhältnis zwischen Mozart und Koželuch darf man das zwar nicht überdehnen; wohl aber unterstreicht dieser Fall, dass Koželuchs Name und Werk im weiteren Mozart-Kontext durchaus präsent waren.
Nach Mozarts Tod († 5. Dezember 1791) wurde Koželuchs Rang am Hof endgültig sichtbar. Seit 1792 übte er die Doppelfunktion als Hofkomponist (Juni 1792) und Kammerkapellmeister (ofiziell ab dem 1. März 1793) aus. Damit wurde er in der Hofsphäre tatsächlich zu einer Nachfolgefigur Mozarts. Diese Ernennung ist der sicherste institutionelle Beweis seiner damaligen Wertschätzung. Sie zeigt, dass der Wiener Hof in ihm keinen nebensächlichen Produzenten gefälliger Musik sah, sondern einen Musiker, dem man zentrale repräsentative Aufgaben anvertrauen konnte. Dass Koželuch daneben weiterhin als Lehrer, Pianist und Gastgeber von Privatakademien hervortrat, unterstreicht die Breite seines Wirkens.
Zu seinem Profil gehörte auch ein ausgeprägter unternehmerischer Sinn. Die Familie Koželuh war im Wiener Musikalienhandel präsent; seit 1784 betrieb Anton Thomas Koželuh (1752–1805), Leopolds Bruder, einen Musikalienverlag in Wien, dem seit 1785 eine Musikalienhandlung angeschlossen war. Dazu kamen internationale Kontakte. Für den schottischen Verleger George Thomson (1757–1851) arbeitete Koželuch an Liedbearbeitungen und an Sonaten über schottische Melodien. Er war also nicht nur Hofmusiker und Lehrer, sondern ebenso ein europaweit vernetzter Akteur des Musikmarkts. Gerade diese Verbindung aus Komposition, Unterricht, Verlag und internationaler Publikation macht ihn zu einer ausgesprochen modernen Figur des späten 18. Jahrhunderts.
Auch Familie und soziales Umfeld gehören in das Bild. Koželuch war seit dem 14. November 1782 mit Maria, geborene Allmayr von Allstern, verheiratet. Aus der Ehe ging unter anderem die Tochter Katharina Cibbini-Koželuch (1785–1858) hervor, die selbst Pianistin, Lehrerin und Komponistin wurde und der Sohn Anton hervor; zudem wird Baptist Koželuch in der biographischen Überlieferung als weiterer Sohn Leopolds genannt. Über Tochter Katharina schrieb Johann Friedrich Reichardt (1752–1814) anerkennend, er habe in Wien „Koželuchs feiner, gebildeter Tochter“ begegnet und in ihr „eine sehr schöne, geschmackvolle Klavierspielerin“ kennengelernt.
Ein weiterer, oft übergangener Punkt ist Koželuchs Freimaurerei: Er begann seinen maurerischen Weg bei der Loge „Zum Palmbaum“ und wechselte später zur Loge „Zu den drei Adlern“. Auch dieser Befund ist wichtig, weil er Koželuch als Teil der intellektuellen und geselligen Netzwerke des späten 18. Jahrhunderts zeigt.
Das Werk Koželuchs ist außerordentlich umfangreich. Das Österreichische Biographische Lexikon zählt einschließlich der zweifelhaften Werke 13 Symphonien, 2 konzertante Symphonien, 2 Ouvertüren, 23 Klavierkonzerte, 2 Klarinettenkonzerte, 2 Fagottkonzerte, 19 Divertimenti, 6 Streichquartette, 67 Klaviertrios, 24 Violinsonaten, 7 vierhändige und 56 zweihändige Klaviersonaten, dazu Klavierstücke, Lieder, Kantaten, Volksliedbearbeitungen, 6 Opern, 6 Ballette, 5 Messen und 14 Kirchenstücke. Diese Fülle macht deutlich, wie verfehlt es wäre, ihn auf einige gefällige Klavierstücke zu reduzieren. Die heute gebräuchlichen P-Nummern gehen auf das Werkverzeichnis von Milan Poštolka (1932–1993) zurück. Koželuch war ein außerordentlich produktiver und vielseitiger Komponist, dessen Schaffen weit über den engen Kreis der Klaviermusik hinausreichte.
Zum Verhältnis zu Beethoven gehört schließlich eine deutlich schärfere, späte Polemik. In einem Brief an George Thomson vom 29. Februar 1812 schrieb Ludwig van Beethoven (1770–1827) über Koželuch das berühmt gewordene Wort „Miserabilis“. Der höhnische Einschub zeigt, dass Koželuch für Beethoven noch immer eine Vergleichs- und Konkurrenzfigur war, besonders im Bereich der Liedbearbeitungen für den britischen Markt. Gerade diese Herabsetzung sagt indirekt viel über Koželuchs damalige Präsenz: Ein völlig unbedeutender Komponist hätte solche Polemik kaum provoziert.
Leopold Koželuch starb am 7. Mai 1818 in Wien (Bürgerhospital). Wie zu dieser Zeit für die meisten Verstorbenen üblich (aufgrund der josephinistischen Bestattungsreformen 1784 und 1785), wurde er in einem Schachtgrab beigesetzt. Sein Grab gilt heute als verschollen oder nicht mehr genau lokalisierbar, da viele dieser Gräber später aufgelassen oder nicht dauerhaft markiert wurden.
In der älteren Überlieferung wird Gicht als Todesursache genannt; daneben begegnet auch die historische Formulierung „zurückgetretene Gicht“. Als Begräbnisort wird in späteren biographischen Darstellungen der Sankt Marxer Friedhof in Wien genannt. Damit endete das Leben eines Musikers, der weit mehr war als eine Fußnote zu Mozart und Beethoven: eines böhmisch-wienerischen Künstlers von europäischem Rang, eines erfolgreichen Lehrers, einer zentralen Figur der Wiener Klavierkultur und eines Hofkomponisten, dessen spätere Verdrängung aus dem Kanon seine zeitgenössische Bedeutung stark verzerrt.



Liste der Werke von Leopold Koželuch
Sinfonien und Ouvertüren
P I:1 \ Sinfonie in D-Dur „L’Arlechino“
P I:3 \ Sinfonie in D-Dur op. 22 Nr. 1
P I:4 \ Sinfonie in F-Dur op. 22 Nr. 2
P I:5 \ Sinfonie in g-Moll op. 22 Nr. 3
P I:6 \ Sinfonie in C-Dur op. 24 Nr. 1
P I:7 \ Sinfonie in A-Dur op. 24 Nr. 2
P I:8 \ Sinfonie in G-Dur op. 24 Nr. 3
P I:10 \ Sinfonie in A-Dur „À la française“
P I:11 \ Sinfonie in B-Dur „L’irresoluto“
P I:A1 \ Sinfonie in A-Dur – Einspielung nicht nachweisbar
P I:D1 \ Sinfonie in D-Dur – verschollen
P I:D2 \ Sinfonie in D-Dur – Einspielung nicht nachweisbar
P I:E1 \ Sinfonie in E-Dur – Einspielung nicht nachweisbar
P I:F1 \ Sinfonie in F-Dur – Einspielung nicht nachweisbar
P I:G1 \ Sinfonie in G-Dur – Einspielung nicht nachweisbar
P II:2 \ Sinfonia concertante in C-Dur für Klavier, Flöte, Oboe, Fagott, Violoncello und Orchester
P III:1 \ Ouvertüre in G-Dur – Einspielung nicht nachweisbar
P III:1 \ Ouvertüre op. 9 in G-Dur– Einspielung nicht nachweisbar
P III:2 \ Ouvertüre in D-Dur – Einspielung nicht nachweisbar
Konzerte
P IV:1 \ Klavierkonzert op. 12 in F-Dur
P IV:2 \ Klavierkonzert op. 13 in B-Dur
P IV:3 – Klavierkonzert op. 11 in G-Dur – Einspielung nicht nachweisbar
P IV:4 \ Klavierkonzert op. 16 in A-Dur
P IV:5 \ Klavierkonzert op. 15 in Es-Dur
P IV:6 \ Klavierkonzert in C-Dur
P IV:7 \ Klavierkonzert op. 25 in D-Dur
P IV:8 \ Konzert für Klavier zu vier Händen in B-Dur
P IV:9 \ Cembalokonzert in D-Dur – online quellenmäßig unsicher
P IV:10 \ Cembalokonzert in D-Dur – online quellenmäßig unsicher
P IV:11 \ Rondo-Konzert für Cembalo in Es-Dur – keine Einspielung nachweisbar
P IV:12 \ Cembalokonzert in E-Dur – Einspielung derzeit online nicht greifbar
P IV:13 \ Cembalokonzert in F-Dur – Einspielung derzeit online nicht greifbar
P IV:14 \ Klavierkonzert in F-Dur – keine Einspielung nachweisbar
P IV:15 \ Klavierkonzert op. 36 in C-Dur – Einspielung derzeit online nicht greifbar
P IV:16 \ Klavierkonzert op. 45 in Es-Dur – Einspielung derzeit online nicht greifbar
P IV:17 \ Klavierkonzert in C-Dur – identisch mit P IV:6
P IV:18 \ Klavierkonzert in C-Dur – identisch mit P IV:6
P IV:19 \ Fantasie für Klavier und Orchester in d-Moll – Einspielung derzeit online nicht greifbar
P IV:20 \ Cembalokonzert in E-Dur – Einspielung derzeit online nicht greifbar
P IV:D1 \ Cembalokonzert in D-Dur – online quellenmäßig unsicher
P IV:D2 \ Klavierkonzert in D-Dur – Einspielung derzeit online nicht greifbar
P IV:F1 \ Cembalokonzert in F-Dur – Einspielung derzeit online nicht greifbar
P V:1 \ Klarinettenkonzert in Es-Dur
P V:2 \ Klarinettenkonzert in Es-Dur
P V:3 \ Sonate für Klarinette und Orchester in Es-Dur
P V:B1 \ Fagottkonzert in B-Dur
P V:C1 \ Fagottkonzert in C-Dur
Serenaden und Parthien
P VI:1 \ Serenade op. 11 Nr. 1 in D-Dur
P VI:2 \ Serenade op. 11 Nr. 2 in Es-Dur
P VI:3 \ Parthia in F-Dur
P VI:4 \ Divertimento für Bläserquintett in D-Dur
P VI:5 \ Divertimento für Bläserquintett in D-Dur
P VI:6 \ Notturno in D-Dur
P VI:7 \ Divertimento für Bläserquintett in Es-Dur
P VI:8 \ Parthia in F-Dur
P VI:9 \ Divertimento für Klavier und Bläser in Es-Dur
P VI:10 \ Divertimento für Klavier und Bläser in Es-Dur
P VI:B1 \ Parthia à la Camera in B-Dur
P VI:B2 \ Parthia à la Camera in B-Dur
P VI:B3 \ Parthia à la Camera in B-Dur
P VI:c1 \ Parthia à la Camera in c-Moll
P VI:d1 \ Parthia à la Camera in d-Moll
P VI:D1 \ Bläsersinfonie in D-Dur
P VI:d2 \ Parthia à la Camera in d-Moll
P VI:Es1 \ Kassation in Es-Dur
P VI:Es2 \ Bläserquintett in Es-Dur
P VI:Es3 \ Parthia in Es-Dur
P VI:F1 \ Parthia in F-Dur (verschollen)
Tänze und Märsche
P VII:1 \ 6 Kontretänze
P VII:2 \ 12 Deutsche Tänze
P VII:3 \ 15 Deutsche Tänze
P VII:4 \ 15 Deutsche Tänze
P VII:5 \ 12 Deutsche Tänze
P VII:6 \ Marsch für das Wiener Freikorps in C-Dur
Streichquartette
P VIII:1 \ Streichquartett op. 32 Nr. 1 in B-Dur
P VIII:2 \ Streichquartett op. 32 Nr. 2 in G-Dur
P VIII:3 \ Streichquartett op. 32 Nr. 3 in Es-Dur
P VIII:4 \ Streichquartett op. 33 Nr. 1 in C-Dur
P VIII:5 \ Streichquartett op. 33 Nr. 2 in A-Dur
P VIII:6 \ Streichquartett op. 33 Nr. 3 in F-Dur
Klaviertrios
P IX:1 \ Klaviertrio op. 3 Nr. 1 in D-Dur
P IX:2 \ Klaviertrio op. 3 Nr. 2 in F-Dur
P IX:3 \ Klaviertrio op. 3 Nr. 3 in Es-Dur
P IX:4 \ Klaviertrio op. 6 Nr. 1 in C-Dur
P IX:5 \ Klaviertrio op. 6 Nr. 2 in G-Dur
P IX:6 \ Klaviertrio op. 6 Nr. 3 in B-Dur
P IX:7 \ Klaviertrio op. 21 Nr. 1 in C-Dur
P IX:8 \ Klaviertrio op. 21 Nr. 2 in A-Dur
P IX:9 \ Klaviertrio op. 21 Nr. 3 in Es-Dur
P IX:10 \ Klaviertrio op. 23 Nr. 1 in G-Dur
P IX:11 \ Klaviertrio op. 23 Nr. 2 in c-Moll
P IX:12 \ Klaviertrio op. 23 Nr. 3 in F-Dur
P IX:13 \ Klaviertrio op. 27 Nr. 1 in B-Dur
P IX:14 \ Klaviertrio op. 27 Nr. 2 in A-Dur
P IX:15 \ Klaviertrio op. 27 Nr. 3 in g-Moll
P IX:16 \ Klaviertrio op. 28 Nr. 1 in Es-Dur
P IX:17 \ Klaviertrio op. 28 Nr. 2 in D-Dur
P IX:18 \ Klaviertrio op. 28 Nr. 3 in e-Moll
P IX:19 \ Klaviertrio in G-Dur
P IX:20 \ Klaviertrio in Es-Dur
P IX:21 \ Klaviertrio in C-Dur
P IX:22 \ Klaviertrio in Es-Dur
P IX:23 \ Klaviertrio in F-Dur
P IX:24 \ Klaviertrio op. 34 Nr. 1 in B-Dur
P IX:25 \ Klaviertrio op. 34 Nr. 2 in G-Dur
P IX:26 \ Klaviertrio op. 34 Nr. 3 in C-Dur
P IX:27 \ Klaviertrio op. 36 in C-Dur
P IX:28 \ Klaviertrio op. 37 Nr. 1 in D-Dur
P IX:29 \ Klaviertrio op. 37 Nr. 2 in F-Dur
P IX:30 \ Klaviertrio op. 37 Nr. 3 in G-Dur
P IX:31 \ Klaviertrio op. 40 Nr. 1 in F-Dur
P IX:32 \ Klaviertrio op. 40 Nr. 2 in C-Dur
P IX:33 \ Klaviertrio op. 40 Nr. 3 in e-Moll
P IX:34 \ Klaviertrio op. 41 Nr. 1 in B-Dur
P IX:35 \ Klaviertrio op. 41 Nr. 2 in D-Dur
P IX:36 \ Klaviertrio op. 41 Nr. 3 in G-Dur
P IX:37 \ Klaviertrio op. 44 Nr. 1 in F-Dur
P IX:38 \ Klaviertrio op. 44 Nr. 2 in G-Dur
P IX:39 \ Klaviertrio op. 44 Nr. 3 in D-Dur
P IX:40 \ Klaviertrio op. 46 Nr. 1 in G-Dur
P IX:41 \ Klaviertrio op. 46 Nr. 2 in B-Dur
P IX:42 \ Klaviertrio op. 46 Nr. 3 in F-Dur
P IX:43 \ Klaviertrio op. 47 Nr. 1 in C-Dur
P IX:44 \ Klaviertrio op. 47 Nr. 2 in A-Dur
P IX:45 \ Klaviertrio op. 47 Nr. 3 in g-Moll
P IX:46 \ Klaviertrio op. 48 Nr. 1 in Es-Dur
P IX:47 \ Klaviertrio op. 48 Nr. 2 in A-Dur
P IX:48 \ Klaviertrio op. 48 Nr. 3 in B-Dur
P IX:49 \ Klaviertrio op. 49 Nr. 1 in D-Dur
P IX:50 \ Klaviertrio op. 49 Nr. 2 in Es-Dur
P IX:51 \ Klaviertrio op. 49 Nr. 3 in C-Dur
P IX:52 \ Klaviertrio op. 50 Nr. 1 in B-Dur
P IX:53 \ Klaviertrio op. 50 Nr. 2 in D-Dur
P IX:54 \ Klaviertrio op. 50 Nr. 3 in Es-Dur
P IX:55 \ Klaviertrio op. 63 Nr. 1 in B-Dur
P IX:56 \ Klaviertrio op. 63 Nr. 2 in F-Dur
P IX:57 \ Klaviertrio op. 63 Nr. 3 in C-Dur
P IX:58 \ Klaviertrio op. 64 Nr. 1 in D-Dur
P IX:59 \ Klaviertrio op. 64 Nr. 2 in G-Dur
P IX:60 \ Klaviertrio op. 64 Nr. 3 in Es-Dur
P IX:61 \ Klaviertrio op. 52 Nr. 1 in D-Dur
P IX:62 \ Klaviertrio op. 52 Nr. 2 in C-Dur
P IX:63 \ Klaviertrio op. 52 Nr. 3 in B-Dur
P IX:A1 \ Klaviertrio in A-Dur
P IX:D1 \ Klaviertrio in D-Dur
P IX:F1 \ Klaviertrio in F-Dur
P IX:G1 \ Klaviertrio in G-Dur
Klavier- und Cembalosonaten
Die vollständigen Sonaten für Tasteninstrument von Leopold Koželuch erschienen in vier Bänden bei Bärenreiter; Herausgeber war Christopher Hogwood.
P X:1 \ Sonate für Klavier und Violine in D-Dur
P X:2 \ Sonate für Klavier und Violine in F-Dur
P X:3 \ Sonate für Klavier und Violine in Es-Dur
P X:4 \ Sonate für Klavier und Violine op. 10 Nr. 1 in Es-Dur
P X:5 \ Sonate für Klavier und Violine op. 10 Nr. 2 in C-Dur
P X:6 \ Sonate für Klavier und Violine op. 17 Nr. 1 in f-Moll
P X:7 \ Sonate für Klavier und Violine op. 17 Nr. 2 in A-Dur
P X:8 \ Sonate für Klavier und Violine op. 17 Nr. 3 in Es-Dur
P X:9 \ Sonate für Klavier und Violine in A-Dur
P X:10 \ Sonate für Klavier und Violine op. 20 Nr. 1 in D-Dur (verschollen)
P X:11 \ Sonate für Klavier und Violine op. 20 Nr. 2 in C-Dur (verschollen)
P X:12 \ Sonate für Klavier und Violine op. 20 Nr. 3 in G-Dur (verschollen)
P X:13 \ Sonate für Klavier und Violine op. 18 Nr. 1 in g-Moll
P X:14 \ Sonate für Klavier und Violine op. 18 Nr. 2 in C-Dur
P X:15 \ Sonate für Klavier und Violine op. 18 Nr. 3 in As-Dur
P X:16 \ Sonate für Klavier und Violine op. 16 Nr. 1 in G-Dur
P X:17 \ Sonate für Klavier und Violine op. 16 Nr. 2 in c-Moll
P X:18 \ Sonate für Klavier und Violine op. 16 Nr. 3 in F-Dur
P X:19 \ Sonate für Klavier und Violine op. 23 Nr. 1 in E-Dur
P X:20 \ Sonate für Klavier und Violine op. 23 Nr. 2 in G-Dur
P X:21 \ Sonate für Klavier und Violine op. 23 Nr. 3 in D-Dur
P X:22 \ Sonate für Klavier und Violine op. 23 Nr. 4 in B-Dur
P X:23 \ Sonate für Klavier und Violine op. 23 Nr. 5 in f-Moll
P X:24 \ Sonate für Klavier und Violine op. 23 Nr. 6 in G-Dur
P XI:1 \ Sonate für Klavier zu vier Händen op. 4 in F-Dur
P XI:2 \ Sonate für Klavier zu vier Händen op. 8 Nr. 3 in B-Dur
P XI:3 \ Sonate für Klavier zu vier Händen op. 19 in F-Dur
P XI:4 \ Sonate für Klavier zu vier Händen op. 29 in B-Dur
P XI:5 \ Sonate für Klavier zu vier Händen op. 12 Nr. 1 in C-Dur
P XI:6 \ Sonate für Klavier zu vier Händen op. 12 Nr. 2 in F-Dur
P XI:7 \ Sonate für Klavier zu vier Händen op. 12 Nr. 3 in D-Dur
P XII:1 \ Cembalosonate in F-Dur
P XII:2 \ Klaviersonate in A-Dur
P XII:3 \ Klaviersonate op. 13 Nr. 1 in Es-Dur
P XII:4 \ Klaviersonate in F-Dur
P XII:5 \ Klaviersonate in C-Dur
P XII:6 \ Klaviersonate op. 13 Nr. 3 in e-Moll
P XII:7 \ Klaviersonate op. 13 Nr. 2 in G-Dur
P XII:8 \ Klaviersonate op. 1 Nr. 1 in F-Dur
P XII:9 \ Klaviersonate op. 1 Nr. 2 in Es-Dur
P XII:10 \ Klaviersonate op. 1 Nr. 3 in D-Dur
P XII:11 \ Klaviersonate op. 2 Nr. 1 in B-Dur
P XII:12 \ Klaviersonate op. 2 Nr. 2 in A-Dur
P XII:13 \ Klaviersonate op. 2 Nr. 3 in c-Moll
P XII:14 \ Klaviersonate in D-Dur
P XII:15 \ Klaviersonate op. 8 Nr. 1 in Es-Dur
P XII:16 \ Klaviersonate op. 8 Nr. 2 in C-Dur
P XII:17 \ Klaviersonate op. 15 Nr. 1 in g-Moll
P XII:18 \ Klaviersonate op. 15 Nr. 2 in C-Dur
P XII:19 \ Klaviersonate op. 15 Nr. 3 in As-Dur
P XII:20 \ Klaviersonate op. 17 Nr. 1 in f-Moll
P XII:21 \ Klaviersonate op. 17 Nr. 2 in A-Dur
P XII:22 \ Klaviersonate op. 17 Nr. 3 in Es-Dur
P XII:23 \ Klaviersonate op. 20 Nr. 1 in F-Dur
P XII:24 \ Klaviersonate op. 20 Nr. 2 in C-Dur
P XII:25 \ Klaviersonate op. 20 Nr. 3 in d-Moll
P XII:26 \ Klaviersonate op. 26 Nr. 1 in D-Dur
P XII:27 \ Klaviersonate op. 26 Nr. 2 in a-Moll
P XII:28 \ Klaviersonate op. 26 Nr. 3 in Es-Dur
P XII:29 \ Klaviersonate op. 30 Nr. 1 in B-Dur
P XII:30 \ Klaviersonate op. 30 Nr. 2 in G-Dur
P XII:31 \ Klaviersonate op. 30 Nr. 3 in c-Moll
P XII:32 \ Klaviersonate op. 35 Nr. 1 in F-Dur
P XII:33 \ Klaviersonate op. 35 Nr. 2 in A-Dur
P XII:34 \ Klaviersonate op. 35 Nr. 3 in g-Moll
P XII:35 \ Klaviersonate op. 38 Nr. 1 in Es-Dur
P XII:36 \ Klaviersonate op. 38 Nr. 2 in C-Dur
P XII:37 \ Klaviersonate op. 38 Nr. 3 in f-Moll
P XII:38 \ Klaviersonate op. 51 Nr. 1 in Es-Dur
P XII:39 \ Klaviersonate op. 51 Nr. 2 in c-Moll
P XII:40 \ Klaviersonate op. 51 Nr. 3 in d-Moll
P XII:41 \ Cembalosonate in C-Dur
P XII:42 \ Cembalosonate in Es-Dur
P XII:43 \ Klaviersonate in B-Dur (verschollen)
P XII:44 \ Klaviersonate in A-Dur (verschollen)
P XII:45 \ Klaviersonate in e-Moll (verschollen)
P XII:46 \ Klaviersonate op. 53 Nr. 1 in G-Dur
P XII:47 \ Klaviersonate op. 53 Nr. 2 in F-Dur
P XII:48 \ Klaviersonate op. 53 Nr. 3 in Es-Dur
P XII:49 \ Klaviersonate in G-Dur (verschollen)
P XII:50 \ Klaviersonate in G-Dur
P XII:C1 \ Cembalosonate in C-Dur
P XII:D1 \ Cembalosonate in D-Dur
P XII:Es1 \ Cembalosonate in Es-Dur
P XII:Es2 \ Cembalosonate in Es-Dur
P XII:G1 \ Cembalosonate in G-Dur
P XII:G2 \ Cembalosonate in G-Dur
Klavierstücke und Stücke für Cembalo
P XIII:1 \ Andante und Marsch für Cembalo
P XIII:2 \ La Chasse für Klavier op. 5 in B-Dur
P XIII:3 \ Caprice für Klavier op. 45 Nr. 1 in Es-Dur
P XIII:4 \ Caprice für Klavier op. 45 Nr. 2 in B-Dur
P XIII:5 \ Caprice für Klavier op. 45 Nr. 3 in c-Moll
P XIII:6 \ Klavierstück op. 43 Nr. 1 in a-Moll
P XIII:7 \ Klavierstück op. 43 Nr. 2 in C-Dur
P XIII:8 \ Klavierstück op. 43 Nr. 3 in C-Dur
P XIII:9 \ Klavierstück op. 43 Nr. 4 in C-Dur
P XIII:10 \ Klavierstück op. 43 Nr. 5 in F-Dur
P XIII:11 \ Klavierstück op. 43 Nr. 6 in G-Dur
P XIII:12 \ Klavierstück op. 43 Nr. 7 in G-Dur
P XIII:13 \ Klavierstück op. 43 Nr. 8 in C-Dur
P XIII:14 \ Klavierstück op. 43 Nr. 9 in a-Moll
P XIII:15 \ Klavierstück op. 43 Nr. 10 in h-Moll
P XIII:16 \ Klavierstück op. 43 Nr. 11 in d-Moll
P XIII:17 \ Klavierstück op. 43 Nr. 12 in Es-Dur
P XIII:a1 \ Sicilienne für Klavier in a-Moll
P XIII:C1 \ Bernoise für Klavier in C-Dur
P XIII:F1 \ La chasse au sanglier für Klavier in F-Dur (das Rondo Allegretto aus der Sonate op. 53 Nr. 2)
P XIII:g1 \ Pastorale für Klavier in g-Moll
P XIII:G1 \ Romanze für Klavier in G-Dur
P XIII:G2 \ Air cosaque für Klavier in G-Dur
P XIV:1 \ 13 Menuette für Cembalo
P XIV:2 \ Menuetto angloise für Cembalo in F-Dur
P XIV:3 \ Polonaise für Cembalo in C-Dur
P XIV:4 \ 9 Menuette für Cembalo
P XIV:5 \ 6 Kontretänze für Klavier
P XIV:6 \ Wachtel-Menuett für Klavier in fis-Moll
P XIV:7 \ 12 Menuette für Klavier
P XIV:8 \ 15 Deutsche Tänze für Klavier
P XIV:9 \ 15 Deutsche Tänze und 6 Ecossaisen für Klavier
P XIV:10 \ Marsch für das Corps der Freiwilligen des Handelsstandes von Wien in C-Dur
P XIV:11 \ 12 Deutsche Tänze für Klavier
P XIV:C1 \ 12 Ländler für Klavier in C-Dur
P XIV:D1 \ 10 Deutsche Tänze und 12 Ländler für Klavier
P XIV:Es1 \ 10 Ländler und Coda für Klavier in Es-Dur
P XIV:F1 \ 7 Polonaisen für Klavier
Sonstige Kammermusik
P XV:1 \ Violinduett in D-Dur
P XV:2 \ Violinduett in B-Dur
P XV:3 \ Violinduett in G-Dur
P XV:4 \ Trio für Flöte, Violine und Violoncello in G-Dur
P XV:5 \ Jagdfanfare für 3 Hörner in C-Dur
P XV:6 \ Duett für Violine und Viola in D-Dur
P XV:7 \ Duett für Flöte und Violoncello in e-Moll
P XV:8 \ Duett für Flöte und Violoncello in C-Dur
P XV:9 \ Duett für Flöte und Violoncello in D-Dur
Oratorien
P XVI:1 \ Moisè in Egitto
P XVI:2 \ La Giuditta (verschollen)
Chorstücke und mehrstimmige Gesänge
P XVII:1 \ Chor aus La Galatea P XIX:7 in C-Dur
P XVIII:1 \ Notturno op. 42 Nr. 1 in c-Moll
P XVIII:2 \ Notturno op. 42 Nr. 2 in g-Moll
P XVIII:3 \ Notturno op. 42 Nr. 3 in B-Dur
P XVIII:4 \ Notturno op. 42 Nr. 4 in d-Moll
P XVIII:5 \ Notturno op. 42 Nr. 5 in Es-Dur
P XVIII:6 \ Notturno op. 42 Nr. 6 in C-Dur
P XVIII:B1 \ Quartett „Dum ti dum“ in B-Dur
Weltliche Kantaten und Arien
P XIX:1 \ Denis’ Klage auf den Tod Marien Theresiens
P XIX:2 \ Kantate: Quanto è mai tormentosa
P XIX:3 \ Kantate op. 11: Joseph, der Menschheit Segen
P XIX:4 \ Kantate für Maria Theresia Paradis
P XIX:5 \ Kantate op. 8: Chloe, siehst du nicht voll Grausen
P XIX:6 \ Kantate zur Krönung Leopolds II.
P XIX:7 \ La Galatea (verschollen)
P XIX:8 \ In un fiero contrasto
P XIX:9 \ Cantata pastorale per la Natività di Nostro Signor Gesù Christo (verschollen)
P XX:1 \ Caro bene in Es-Dur
P XX:2 \ Misero me! che veggo in Es-Dur
P XX:3 \ Se mai senti in G-Dur
Lieder
P XXI:1 \ 15 Lieder
P XXI:2 \ 12 Lieder
P XXI:3 \ The happy Pair in As-Dur
P XXI:4 \ 12 Arietten op. 31
P XXI:5 \ De l’arbre ces fruits in G-Dur
P XXI:6 \ Marschlied für das Wiener Freikorps in C-Dur
P XXI:7 \ Marschlied für das akademische Bürgerkorps in B-Dur
P XXI:8 \ 3 französische Airs
P XXI:9 \ Hört! Maurer, auf der Weisheit Lehren in A-Dur
P XXI:10 \ In questa tomba oscura in c-Moll
P XXI:11 \ 12 Canzonetten
P XXI:12 \ Mein Mädchen in D-Dur
P XXI:13 \ Des Kriegers Abschied in C-Dur
P XXI:14 \ Leiser nannt’ ich deinen Namen in c-Moll
P XXI:15 \ Let the declining damask rose in G-Dur
P XXI:C1 \ Aufruf an die Böhmen in C-Dur
P XXI:C2 \ 27 Solfeggien
P XXII:1 \ Schottische, irische und walisische Lieder
P XXII:2 \ Walisische Lieder
P XXII:A1 \ Schottische Melodien, für Klavier eingerichtet
Opern
P XXIII:1 \ Le Muzet (verschollen)
P XXIII:2 \ Debora e Sisara (verschollen)
P XXIII:3 \ Didone abbandonata (verschollen)
P XXIII:4 \ Télémaque dans l’île de Calypso (Oper) (verschollen)
P XXIII:5 \ Judith und Holofernes (verschollen)
P XXIII:6 \ Gustav Vasa
Ballette
P XXIV:1 \ Ballett op. 39: La ritrovata figlia di Ottone II
P XXIV:2 \ Arlechino (verschollen)
P XXIV:3 \ Ballett in C-Dur
P XXIV:4 \ Ballett in F-Dur
P XXIV:5 \ Pantomime in a-Moll
P XXIV:6 \ Télémaque dans l’île de Calypso (Ballett) (verschollen)
Geistliche Musik
P XXV:1 \ Messe in C-Dur
P XXV:2 \ Tantum ergo in F-Dur
P XXV:3 \ Mandavit Deus in Es-Dur
P XXV:4 \ Quaeso ad me veni in Es-Dur
P XXV:5 \ Umbra noctis orbem tangit in B-Dur
P XXV:6 \ Domine non sum dignus in Es-Dur
P XXV:7 \ Gottes Liebe in cis-Moll
P XXV:A1 \ Messe in A-Dur
P XXV:A2 \ Offertorium in A-Dur
P XXV:A3 \ Aeh quanta vis amoris in A-Dur
P XXV:A4 \ Mater dolorosa in A-Dur
P XXV:B1 \ Ad hoc festum chori in B-Dur
P XXV:B2 \ Omni die Mariae in B-Dur
P XXV:B3 \ Magne Deus audi in B-Dur
P XXV:C1 \ Missa brevis in C-Dur
P XXV:D1 \ Missa brevis in D-Dur
P XXV:D2 \ Amati quaeso montes in D-Dur
P XXV:Es1 \ Cernis o anima in Es-Dur
P XXV:g1 \ Messe in g-Moll
Die folgenden Werkangaben folgen dem Werkverzeichnis von Milan Poštolka (1932–1993); die vorangestellten P-Nummern sind Katalognummern dieses Verzeichnisses.
Sinfonie in D-Dur „L’Arlecchino“, P I:1
Leopold Koželuchs Sinfonie in D-Dur „L’Arlecchino“ trägt einen Titel, der unmittelbar an die Harlekin-Figur der italienischen Commedia dell’arte denken lässt, jenen listigen, beweglichen und spielfreudigen Bühnentypus, der seit dem 16. Jahrhundert zu ihren bekanntesten Gestalten gehört. Das passt sehr gut zu einem Werk, das weniger auf sinfonische Schwere als auf Beweglichkeit, Kontrast und wirkungsvolle Pointen setzt. Schon der Kopfsatz entfaltet eine helle, lebendige Energie, während das Andante die Mitte des Werkes bewusst beruhigt. Das abschließende Rondo bringt dann noch einmal jenen leichten, spielfreudigen Zug zur Geltung, der den Beinamen besonders plausibel erscheinen lässt.
https://www.youtube.com/watch?v=e02kvYbN96w
So wirkt die Sinfonie insgesamt elegant, unterhaltsam und keineswegs oberflächlich: Sie verbindet klassisches Formgefühl mit einer fast theatralischen Frische. Die überlieferte Satzfolge lautet Allegro – Andante – Rondo, und auch die Besetzung entspricht im Kern dem klassischen Orchester mit 2 Oboen, 2 Hörnern und Streichern; daneben ist auch eine erweiterte Fassung belegt.
CD Vorschlag
Concerto Köln (plays) Dall'Abaco, Locatelli, Vanhal, Kozeluch and Eberl, TELDEC, 1998, Disc 5, Tracks 9–11 (auf YouTube im Block Tracks 103–105):
https://www.youtube.com/watch?v=JM_LqDbGgrI&list=OLAK5uy_lcWubsqAFhhMSNXLuPuzH7UTbYUWGdOBk&index=103
Sinfonie in C-Dur, P I:2
Die Sinfonie in C-Dur, P I:2 gehört zu jenen frühen Orchesterwerken des Komponisten, in denen sich Koželuchs Stil bereits klar erkennen lässt: eine Musik, die weniger auf äußere Größe als auf Übersichtlichkeit, Eleganz und unmittelbare Wirkung setzt. Sie steht noch deutlich in der Tradition der Wiener Vorklassik, wirkt dabei aber keineswegs konventionell, sondern zeigt einen ausgeprägten Sinn für klare thematische Gestaltung und ausgewogene Proportionen. Ein exaktes Kompositionsjahr ist nicht sicher bekannt; der Druck von 1786 und die stilistische Nähe zu Koželuchs frühen Sinfonien sprechen jedoch dafür, das Werk in seine frühe Schaffensphase einzuordnen.
Schon das einleitende Allegro con brio macht deutlich, dass diese Sinfonie nicht auf feierliche Schwere, sondern auf Energie und Lebendigkeit setzt. Der Satz wirkt hell, entschlossen und vorwärtsdrängend, ohne seine klare Ordnung zu verlieren. Typisch für Koželuch ist dabei, dass die musikalischen Gedanken deutlich profiliert erscheinen, ohne übermäßig zugespitzt oder dramatisch aufgeladen zu werden. Alles bleibt in einem Rahmen, der kontrolliert, klangschön und publikumsnah wirkt.
Das Andante bildet dazu den ruhigen Gegenpol. Hier tritt nicht das Pathos in den Vordergrund, sondern eine gesangliche, ausgewogene Ruhe. Der Satz lebt weniger von starken Gegensätzen als von einem gepflegten melodischen Fluss und einer Haltung, die man als höfisch, ja fast intim bezeichnen könnte. Gerade in solchen langsamen Sätzen zeigt sich Koželuchs Fähigkeit, mit vergleichsweise einfachen Mitteln eine ansprechende und stilvolle Wirkung zu erzielen.
Mit dem Menuetto. Allegretto kehrt die Sinfonie in einen bewegteren Ton zurück. Dieser Satz besitzt den tänzerischen Charakter, den man erwartet, wirkt aber nicht schwerfällig, sondern leicht und gut proportioniert. Das Menuett erfüllt hier nicht nur eine formale Funktion, sondern trägt zur Gesamtgestalt des Werkes bei, indem es Eleganz und rhythmische Prägnanz miteinander verbindet.
Das Finale, Allegro ma non presto, verzichtet auf bloße Rasanz und setzt stattdessen auf kontrollierte Bewegtheit. Gerade dieser Zusatz ma non presto ist bezeichnend: Der Satz soll lebhaft sein, aber nicht gehetzt. So gewinnt der Schluss einen Zug von Gelöstheit und Übersicht, der sehr gut zu Koželuchs Stil passt. Die Musik bleibt bis zuletzt in Bewegung, wahrt aber stets Maß und Form.
In der Einspielung des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec (* 1985) kommt dieser Charakter besonders gut zur Geltung. Die Aufnahme lässt die Sinfonie als ein Werk erscheinen, das nicht mit äußerem Aufwand beeindrucken will, sondern durch Frische, Klarheit und handwerkliche Souveränität überzeugt. Gerade darin liegt ihr Reiz: in einer klassischen Musizierhaltung, die leicht wirkt, ohne belanglos zu sein.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 3, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2019, Tracks 13–16:
https://www.youtube.com/watch?v=aktLbxspEwo&list=OLAK5uy_kVbmkZhAX1y5WY5IoNlxH7TnqmfB7gMdE&index=13
Sinfonie in C-Dur, P I:3
Koželuchs Sinfonie in C-Dur, P I:3 gehört in den Umkreis seiner frühen Wiener Jahre und steht stilistisch jener Werkgruppe nahe, die in den 1780er Jahren entstand. Ein genaues Kompositionsjahr ist nicht sicher überliefert; aufgrund ihrer Anlage, ihrer Satzfolge und der überlieferten Drucke lässt sich die Sinfonie jedoch mit guter Wahrscheinlichkeit in diese frühe Schaffensphase einordnen, in der Koželuch sich als eigenständige Stimme innerhalb der Wiener Klassik zu etablieren begann.
Schon der erste Satz, Poco adagio – Allegro, zeigt ein für die Zeit charakteristisches Formmodell: Eine kurze langsame Einleitung schafft einen Moment gespannter Erwartung, bevor das Allegro einsetzt. Der Übergang wirkt dabei nicht bloß formal, sondern erfüllt eine klare dramaturgische Funktion. Das Allegro selbst ist lebhaft, klar gegliedert und von einem kontrollierten, aber spürbaren Vorwärtsdrang geprägt. Koželuch vermeidet übermäßige Zuspitzung; stattdessen entwickelt er seine Gedanken in ausgewogenen Proportionen und mit einem sicheren Gespür für thematische Klarheit.
Das zweite Poco adagio bildet den ruhenden Mittelpunkt der Sinfonie. Der Satz entfaltet eine zurückgenommene, gesangliche Atmosphäre, die weniger auf Kontrast als auf Ausgleich zielt. Die Linienführung bleibt durchsichtig, der Ausdruck verhalten und stilvoll. Gerade in dieser Konzentration auf das Wesentliche zeigt sich Koželuchs Fähigkeit, auch ohne großen Aufwand eine überzeugende musikalische Präsenz zu erzeugen.
Mit dem Menuetto: Vivace gewinnt das Werk wieder an Bewegung. Der Satz wirkt nicht schwer oder repräsentativ, sondern eher leicht und federnd. Die Bezeichnung Vivace ist hier ernst zu nehmen: Das Menuett besitzt eine bemerkenswerte Frische und rhythmische Prägnanz, die es deutlich über die Funktion eines bloßen Zwischensatzes hinaushebt.
Das Finale, Presto con fuoco, setzt einen energischen Schlusspunkt. Der Zusatz con fuoco verleiht dem Satz eine besondere Spannung: Die Musik wirkt entschlossen, stellenweise fast drängend, bleibt dabei jedoch stets kontrolliert und formal klar. Gerade diese Verbindung von Energie und Ordnung ist typisch für Koželuchs sinfonischen Stil.
Die Besetzung entspricht dem klassischen Orchester seiner Zeit mit Streichern sowie 2 Oboen und 2 Hörnern. Der Klang bleibt dadurch transparent und ausgewogen, ohne auf Wirkung zu verzichten. Insgesamt zeigt die Sinfonie P I:3 einen Komponisten, der die Mittel der Wiener Klassik sicher beherrscht und sie mit einem eigenen Sinn für Eleganz, Klarheit und kontrollierte Lebendigkeit einsetzt.
In der Einspielung des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec tritt die innere Balance dieser Sinfonie besonders deutlich hervor. Anstelle äußerer Effekte rückt die Interpretation die klare Linienführung und die feine Abstufung der musikalischen Gesten in den Mittelpunkt. Die Sätze entfalten sich mit natürlicher Beweglichkeit, ohne Überzeichnung, und lassen Koželuchs Gespür für Proportion und Form sehr unmittelbar erfahrbar werden. Gerade diese unaufdringliche, stilbewusste Herangehensweise verleiht der Aufnahme ihren besonderen Reiz: Sie zeigt die Sinfonie als ein Werk, das durch Klarheit und musikalische Intelligenz wirkt, nicht durch demonstrative Wirkung.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 1, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2017 Tracks 9–12:
https://www.youtube.com/watch?v=popdg0VIFDY&list=OLAK5uy_kVFVtRbzSg8AvKGLojBpy2gM04n8VTOJQ&index=9
Sinfonie in F-Dur, P I:4
Koželuchs Sinfonie in F-Dur, P I:4 gehört zu jener frühen Werkgruppe, in der sich sein sinfonischer Stil bereits sehr deutlich ausprägt. Ein exakt gesichertes Kompositionsjahr ist nicht ohne Weiteres anzugeben; die Überlieferung zeigt jedoch, dass das Werk jedenfalls zu den frühen Sinfonien gehört und in autorisierter Form bereits Anfang 1787 in Wien im Druck vorlag. Damit steht die Sinfonie in einem Zeitraum, in dem Koželuch sich in Wien als Komponist von klug gebauten, melodisch einprägsamen und formal sicheren Orchesterwerken profilierte.
https://www.youtube.com/watch?v=XWw-mtNXjl4
Schon das eröffnende Allegro molto macht deutlich, worin die Stärke dieses Werkes liegt. Der Satz ist nicht nur lebhaft und energisch, sondern auch sorgfältig gearbeitet. Das musikalische Material wirkt von Anfang an eng miteinander verwandt; aus wenigen Gedanken entwickelt Koželuch eine erstaunlich geschlossene Form. Gerade darin zeigt sich seine Kunst: Die Musik wirkt spontan und natürlich, ist in Wahrheit aber sehr bewusst disponiert. So entsteht ein erster Satz, der Schwung besitzt, ohne unruhig zu werden, und Klarheit wahrt, ohne trocken zu wirken. Diese Sinfonie will nicht überwältigen, sondern durch Formgefühl, Beweglichkeit und innere Logik überzeugen.
Das Poco adagio bildet dazu einen feinsinnig gesetzten Gegenpol. Es steht in B-Dur und ist nach zeitgenössischem klassischem Maßstab eher zart als schwer empfunden. Der Satz ist kunstvoll, aber nicht demonstrativ; seine Wirkung beruht auf klanglicher Delikatesse, melodischer Geschmeidigkeit und einer Haltung, die Ruhe ausstrahlt, ohne an Spannung zu verlieren. Gerade in solchen langsamen Sätzen erweist sich Koželuch als Komponist von Geschmack und Maß.
Das Menuetto: Allegretto besitzt Würde, bleibt aber angenehm in Bewegung. Es ist kein derber Tanzsatz, sondern ein kontrolliert geformtes Menuett mit einem milderen, sanfteren Trio. Auch hier zeigt sich, wie sicher Koželuch die Proportionen handhabt: Nichts wird überdehnt, nichts ist bloßes Füllmaterial. Selbst der traditionelle dritten Satz fügt sich organisch in den Gesamtverlauf ein.
Das abschließende Presto setzt einen klaren und belebten Schlusspunkt. Der Satz ist geschäftig, gespannt und von jener kontrollierten Energie getragen, die man in Koželuchs besten Sinfonien immer wieder findet. Besonders reizvoll ist, dass das Finale nicht nur auf Tempo setzt, sondern seine Wirkung aus der prägnanten Anlage des thematischen Materials gewinnt. So endet die Sinfonie nicht äußerlich brillant, sondern mit jener Mischung aus Frische, Disziplin und klarem Zuschnitt, die für Koželuchs Orchesterschaffen so charakteristisch ist.
Auch die Orchesterbehandlung verdient Beachtung. Für diese Werkgruppe ist eine Besetzung mit Streichern sowie je zwei Oboen, Fagotten und Hörnern belegt; gerade in der F-Dur-Sinfonie tragen die Bläser spürbar zur klanglichen Profilierung bei. Das verleiht dem Werk mehr Farbe, ohne die Transparenz des Satzes zu beeinträchtigen.
In der Einspielung des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec wird die Qualität dieser Sinfonie sehr unmittelbar hörbar. Die Interpretation betont nicht bloß den äußeren Schwung der Sätze, sondern macht auch die sorgfältige innere Arbeit des Werkes deutlich: die klare Linienführung, die geschickte motivische Verknüpfung und die feine Balance zwischen Eleganz und Energie. Gerade dadurch erscheint die Sinfonie nicht als bloße gefällige Klassik, sondern als ein Werk mit eigener Handschrift und bemerkenswerter Substanz.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 2, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2018, Tracks 1–4:
https://www.youtube.com/watch?v=0RoQs73BwbE&list=OLAK5uy_l681F53PrMx95u-qNZ-E4r_T-o7rl3cuM&index=1
Sinfonie in g-Moll, P I:5
Koželuchs Sinfonie in g-Moll, P I:5 nimmt unter seinen erhaltenen Sinfonien eine besondere Stellung ein. Sie ist, soweit die heute greifbare Überlieferung erkennen lässt, seine einzige Sinfonie in einer Molltonart und gehört zu jener Werkgruppe, die früh 1787 im Druck erschien. Als Op. 22 Nr. 3 steht sie neben den Sinfonien P I:3 und P I:4 und zeigt Koželuch nicht nur als geschickten Handwerker der Wiener Klassik, sondern auch als Komponisten, der im passenden Moment zu einem ernsteren, gespannteren Ton fähig war.
Schon dadurch fällt das Werk auf, dass es nur drei Sätze umfasst: Allegro – Adagio – Presto. Ein Menuett fehlt also, was der Sinfonie eine straffere, konzentriertere Gestalt gibt. Diese Anlage passt sehr gut zu ihrem Charakter. Der erste Satz wirkt nicht festlich oder repräsentativ, sondern unruhiger, nervöser und innerlich gespannter. Gerade in der Tonart g-Moll entsteht ein Ausdruck, der an die empfindsamere und dramatisch zugespitzte Seite der vorklassischen und frühen klassischen Sinfonik erinnert. In der Forschung ist deshalb mit Recht auf die Nähe zu jener Gattungstradition hingewiesen worden, die man gern mit dem Stichwort „Sturm und Drang“ verbindet.
https://www.youtube.com/watch?v=CviWnD40W3o
Das einleitende Allegro lebt von einem feinen Gegensatz zweier Themen, die einander im Umriss durchaus ähnlich sind, im Ausdruck jedoch deutlich unterscheiden. Das eine wirkt nervös und angespannt, das andere lyrischer und weicher. Gerade diese Verbindung aus innerer Unruhe und kantabler Entlastung verleiht dem Satz Profil. Koželuch arbeitet hier nicht mit übermäßiger Schwere, sondern mit kontrollierter Spannung; selbst die dramatischeren Momente bleiben klar gebaut und formbewusst. Bemerkenswert ist auch die Durchführung, weil sie nicht nur ein Motiv isoliert weiterverarbeitet, sondern beide thematischen Bereiche in die Entwicklung einbezieht.
Das Adagio in Es-Dur bildet dazu einen bewusst gesetzten Gegenpol. Nach der nervösen Energie des ersten Satzes wirkt es wie ein Innehalten, ohne jedoch jede innere Bewegung aufzugeben. Der Satz ist sanglich, stilvoll und von einer ruhigen, fast beredten Empfindsamkeit geprägt. Gerade hier zeigt sich Koželuchs Stärke, mit relativ einfachen Mitteln eine edle und nachhaltige Wirkung zu erzielen. Die melodische Linie bleibt klar, der Ausdruck gesammelt, und nichts gerät ins bloß Dekorative.
Das abschließende Presto kehrt dann zur angespannten Welt des Beginns zurück. Es ist kürzer und knapper gearbeitet als der Kopfsatz, wirkt aber keineswegs wie ein bloßer Nachsatz. Vielmehr bündelt es die Energie des Werkes noch einmal in konzentrierter Form. Die Musik ist bewegt, stellenweise geradezu ruhelos, doch immer unter Kontrolle. Dadurch erhält die Sinfonie einen Schluss, der nicht auf äußeren Glanz setzt, sondern auf Entschlossenheit und innere Konsequenz.
Auch die Besetzung ist auf diesen Charakter abgestimmt. Das Werk ist für Streicher sowie je zwei Oboen, Fagotte und Hörner geschrieben; in den Ecksätzen sind die Hörner in G und B gestimmt, was den harmonischen Spielraum erweitert. Gerade solche Details zeigen, dass Koželuch hier sehr bewusst an Farbe und Ausdruck arbeitet. Die Sinfonie in g-Moll ist deshalb weit mehr als eine interessante Ausnahme im Werkverzeichnis: Sie gehört zu den geschlossensten und charaktervollsten Beispielen seiner Sinfonik.
In der Aufnahme des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec tritt die besondere Stellung dieser g-Moll-Sinfonie deutlich hervor. Die Interpretation meidet jede Überdramatisierung und lässt stattdessen die innere Spannung der Musik aus sich selbst heraus wirken. Gerade im ersten Satz wird hörbar, wie fein Koželuch zwischen Unruhe und formaler Klarheit balanciert, während das Adagio mit ruhiger Konzentration und ohne jede Sentimentalität gestaltet ist. Im Finale überzeugt vor allem die zielgerichtete Energie, die nie ins Hastige kippt. So entsteht ein Gesamtbild, das die Sinfonie als ernstes, geschlossenes und bemerkenswert charaktervolles Werk zeigt.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 1, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2017, Tracks 13–15:
https://www.youtube.com/watch?v=zzDR3ba3nN4&list=OLAK5uy_kVFVtRbzSg8AvKGLojBpy2gM04n8VTOJQ&index=13
Sinfonie in C-Dur, P I:6
Die Sinfonie in C-Dur, P I:6 von Leopold Koželuch gehört zu jener Werkgruppe, in der sich sein sinfonischer Stil bereits in reifer Form zeigt. Ein genaues Kompositionsjahr ist nicht eindeutig gesichert; die Überlieferung – insbesondere die mit dem Namen des Kopisten und Verlegers Wolfgang Wetter verbundene Quelle – weist jedoch darauf hin, dass das Werk in den 1780er Jahren entstanden und verbreitet worden ist. Damit steht die Sinfonie in einer Phase, in der Koželuch als Komponist klar gegliederter, publikumsnaher und zugleich handwerklich überzeugender Orchesterwerke hervortritt.
https://www.youtube.com/watch?v=_70yQylIRuc
Der erste Satz (Poco adagio – Allegro) folgt dem für die Zeit typischen Modell mit langsamer Einleitung. Diese eröffnet den Satz mit einem Moment gespannter Ruhe, bevor das Allegro einsetzt und die musikalische Bewegung freisetzt. Das Allegro selbst wirkt lebhaft und zielgerichtet, ohne übermäßige Dramatik zu entfalten. Koželuch arbeitet mit klar umrissenen Themen und entwickelt den Satz aus überschaubarem Material, das geschickt miteinander verknüpft wird. Gerade diese Balance zwischen Beweglichkeit und Ordnung verleiht dem Satz seine Überzeugungskraft.
Das zweite Poco adagio steht in F-Dur und bildet einen ruhigen, bewusst gesetzten Kontrast. Der Satz ist von gesanglicher Qualität geprägt, ohne in breite Empfindsamkeit auszuufern. Die musikalische Linie bleibt schlank und kontrolliert, der Ausdruck gesammelt und von einer gewissen Noblesse getragen. Koželuch zeigt hier einmal mehr seine Fähigkeit, mit zurückgenommenen Mitteln eine stimmige und ansprechende Wirkung zu erzielen.
Mit dem Minuetto: Vivace – Trio kehrt die Sinfonie in eine bewegtere Sphäre zurück. Die Bezeichnung Vivace verleiht dem Menuett eine besondere Frische; es wirkt weniger als repräsentativer Tanz, sondern eher als lebendig gestalteter Zwischensatz mit klarer rhythmischer Kontur. Das Trio sorgt für eine klangliche Auflockerung und fügt sich organisch in den Gesamtverlauf ein.
Das abschließende Presto con fuoco bringt die Sinfonie zu einem energischen Abschluss. Der Zusatz con fuoco ist hier nicht bloß dekorativ gemeint: Der Satz besitzt eine spürbare innere Spannung und einen deutlichen Vorwärtsdrang, bleibt dabei jedoch stets strukturell gefasst. Koželuch gelingt es, die Energie zu bündeln, ohne die Klarheit der Form zu verlieren – ein Merkmal, das für seine besten Sinfonien charakteristisch ist.
Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Besetzung, die über das übliche Maß hinausgeht. Neben den Streichern sowie je zwei Oboen, Fagotten und Hörnern ist in der überlieferten Quelle auch eine Flöte und ein Tasteninstrument (Piano) vorgesehen. Diese Erweiterung weist darauf hin, dass das Werk in unterschiedlichen Aufführungskontexten – möglicherweise auch halbkammermusikalisch oder mit konzertierender Beteiligung – verwendet werden konnte. Sie verleiht dem Klangbild zusätzliche Farbe, ohne die grundsätzliche Transparenz zu beeinträchtigen.
Insgesamt zeigt sich die Sinfonie P I:6 als ein Werk, das Koželuchs Stärken bündelt: klare Form, ausgewogene Proportionen, melodische Eingängigkeit und eine kontrollierte, nie aufdringliche Energie. Gerade in dieser Verbindung liegt ihr bleibender Reiz.
In der Einspielung des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec (* 1985) wird die Sinfonie in ihrer klaren Anlage und ihrem lebendigen Puls besonders nachvollziehbar. Die Interpretation setzt auf Durchhörbarkeit und präzise Artikulation, ohne den natürlichen Fluss der Musik zu beeinträchtigen. Vor allem im Zusammenspiel von Streichern und Bläsern entsteht ein ausgewogenes Klangbild, das die Eleganz und zugleich die Energie des Werkes überzeugend zur Geltung bringt.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 1, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2017, Tracks 5–8:
https://www.youtube.com/watch?v=7aKi2SbNEis&list=OLAK5uy_kVFVtRbzSg8AvKGLojBpy2gM04n8VTOJQ&index=5
Sinfonie in A-Dur, P I:7
Koželuchs Sinfonie in A-Dur, P I:7 gehört zu jener Werkgruppe, in der sich sein reifer frühklassischer Stil besonders klar zeigt. Ein exakt gesichertes Kompositionsjahr ist nicht ohne Weiteres anzugeben; die Überlieferung und die Einordnung im Werkbestand sprechen jedoch dafür, dass die Sinfonie in Koželuchs produktive Wiener Zeit der 1780er Jahre gehört. Schon die Tonart A-Dur weist auf einen hellen, offenen und beweglichen Grundcharakter hin, der dem Werk von Anfang an sein Gepräge gibt.
Der erste Satz, Allegro moderato, verzichtet auf eine langsame Einleitung und beginnt unmittelbar mit einer Musik, die Klarheit und Lebendigkeit miteinander verbindet. Der Satz drängt nicht nach vorn, um bloß Wirkung zu machen, sondern entfaltet seine Energie in gut proportionierten Abschnitten. Gerade das moderato ist hier wichtig: Koželuch sucht keinen scharfen Effekt, sondern ein ausgewogenes Verhältnis von Bewegung, Eleganz und formaler Übersicht. Das Ergebnis ist ein Kopfsatz, der freundlich, bestimmt und in sich sehr geschlossen wirkt.
Das Poco adagio bildet dazu den ruhigen Mittelpunkt der Sinfonie. Es ist kein schwerer langsamer Satz, sondern eine Musik von gesammelter, sanglicher Ruhe. Koželuch vermeidet alles Überladene und erreicht seine Wirkung durch klare Linien, eine feine Balance der Stimmen und einen Ausdruck, der eher edel als empfindsam auftritt. Gerade in dieser Zurückhaltung liegt die Qualität des Satzes: Er spricht unmittelbar an, ohne sich aufzudrängen.
Mit dem Menuetto: Allegretto tritt wieder mehr rhythmische Festigkeit ein. Der Satz bleibt tänzerisch, aber ohne grobe Akzente oder demonstrative Schwere. Man spürt, dass Koželuch auch im traditionellen Menuett auf Beweglichkeit und Maß achtet. Das macht den Satz zu mehr als einem bloßen Formbestandteil: Er stützt die Architektur des Werkes und bewahrt zugleich dessen heiteren Grundton.
Das Finale: Prestissimo setzt einen besonders lebhaften Schlusspunkt. Trotz des sehr raschen Tempos wirkt der Satz nicht gehetzt, sondern zielgerichtet und präzise gebaut. Koželuch bündelt hier die Energie der ganzen Sinfonie noch einmal in knapper Form. Dadurch erhält das Werk am Ende einen Zug von Leichtigkeit und Entschlossenheit zugleich — ein Abschluss, der brillant wirkt, ohne lärmend zu sein.
https://www.youtube.com/watch?v=WWjfQJB0lZc
Insgesamt erscheint P I:7 als eine Sinfonie, die ihre Wirkung nicht aus äußerer Dramatik, sondern aus stilistischer Sicherheit, klarer Form und kluger Dosierung der Mittel gewinnt. Gerade darin liegt ihr Reiz: in einer Musiksprache, die leicht und zugänglich wirkt, dabei aber handwerklich sehr bewusst gearbeitet ist.
In der Aufnahme des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec (geb. 1985) kommt dieser Charakter sehr überzeugend zur Geltung. Die Interpretation hält die Musik in stetiger Bewegung, ohne sie zu überpointieren, und lässt besonders die helle Grundfarbe der A-Dur-Sinfonie schön hervortreten. Vor allem im schnellen Finale zeigt sich ein sicheres Gespür für Tempo, Kontur und Proportion, während die ruhigeren Sätze mit schlanker Klangkultur und stilistischer Disziplin gestaltet sind.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 1, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2017, Tracks 1–4:
https://www.youtube.com/watch?v=dxPnMg-e6ao&list=OLAK5uy_kVFVtRbzSg8AvKGLojBpy2gM04n8VTOJQ&index=1
Sinfonie in G-Dur, P I:8
Koželuchs Sinfonie P I:8 in G-Dur gehört zu jener Werkgruppe, in der sich sein reifer frühklassischer Stil ebenfalls besonders deutlich zeigt. Ein exakt gesichertes Kompositionsjahr ist nicht überliefert; aufgrund ihrer stilistischen Merkmale lässt sich die Sinfonie jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit in die 1780er Jahre einordnen. Die Tonart G-Dur verleiht dem Werk von Beginn an eine helle, freundliche und ausgewogene Grundfarbe, die gut zu Koželuchs klarer und beweglicher Schreibweise passt.
Der erste Satz (Allegro molto) setzt unmittelbar mit lebendiger Energie ein. Die Musik wirkt offen und zugänglich, ohne dabei an Struktur zu verlieren. Koželuch entwickelt seine Gedanken aus klar umrissenen Motiven, die er geschickt miteinander verknüpft. Der Satz bleibt jederzeit übersichtlich, gewinnt aber gerade durch diese kontrollierte Anlage an Überzeugungskraft. Die Bewegung ist deutlich spürbar, ohne je ins Unruhige umzuschlagen.
Das Poco adagio bildet dazu einen ruhigen Gegenpol. Der Satz ist von einer gesanglichen, ausgeglichenen Haltung geprägt und vermeidet jede übertriebene Empfindsamkeit. Die musikalischen Linien entfalten sich ruhig und gleichmäßig, getragen von einer feinen Balance zwischen den Stimmen. Koželuch erreicht hier mit zurückhaltenden Mitteln eine bemerkenswerte klangliche Geschlossenheit.
Mit dem Menuetto: Allegretto kehrt die Sinfonie in eine bewegtere, rhythmisch klar strukturierte Sphäre zurück. Der Satz wirkt leicht und elegant, ohne an Kontur zu verlieren. Das Menuett ist nicht schwer oder repräsentativ, sondern eher von einer angenehmen Beweglichkeit geprägt. Das Trio bringt eine dezente klangliche Auflockerung und fügt sich organisch in den Gesamtverlauf ein.
Das Finale (Presto con fuoco) setzt einen energischen und zugleich klar gefassten Schlusspunkt. Der Zusatz con fuoco verleiht dem Satz eine spürbare innere Spannung, die jedoch stets unter Kontrolle bleibt. Die Musik ist lebhaft und zielgerichtet, ohne je in bloße Rasanz abzugleiten. Koželuch bündelt hier die Energie des Werkes und führt es mit sicherem Formgefühl zum Abschluss.
Die Besetzung entspricht dem klassischen Orchester seiner Zeit mit Streichern sowie je zwei Oboen und Hörnern, wodurch ein transparenter und ausgewogener Klang entsteht, der die thematische Arbeit klar hervortreten lässt.
In der Einspielung des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec (* 1985) wird die Sinfonie in ihrer Klarheit und Beweglichkeit besonders gut erfahrbar. Die Interpretation setzt auf präzise Artikulation und ein natürliches Tempogefühl, wodurch die Musik in stetigem Fluss bleibt. Vor allem im Finale entfaltet sich eine kontrollierte Energie, während die ruhigeren Abschnitte durch ihre ruhige, ausgewogene Gestaltung überzeugen.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 2, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2018, Track 8–11:
https://www.youtube.com/watch?v=by8ORmD1tzM&list=OLAK5uy_l681F53PrMx95u-qNZ-E4r_T-o7rl3cuM&index=9
Sinfonie in C-Dur, P I:9
Für Koželuchs Sinfonie in C-Dur, P I:9 ist ein genaues Kompositionsjahr nicht sicher greifbar; die Überlieferung und die Stellung des Werkes innerhalb seines sinfonischen Schaffens sprechen jedoch dafür, die Sinfonie in die produktive Wiener Zeit der 1780er Jahre einzuordnen. Die Tonart C-Dur gibt dem Werk einen klaren, offenen und selbstbewussten Grundcharakter, der sehr gut zu Koželuchs übersichtlicher und wirkungssicherer Schreibweise passt.
Schon das einleitende Allegro molto macht deutlich, worauf diese Sinfonie zielt: nicht auf äußerliche Monumentalität, sondern auf Klarheit, Energie und gute Proportionen. Der Satz entfaltet einen entschiedenen Vorwärtsdrang, bleibt dabei aber stets geordnet und durchsichtig. Koželuch entwickelt seine Gedanken mit sicherem Sinn für Form; die Musik wirkt lebendig, ohne je unruhig zu werden. Gerade diese Verbindung von Schwung und Kontrolle gehört zu den auffälligsten Qualitäten des Werkes.
Das Poco adagio bildet dazu einen ruhigen Gegenpol. Der Satz ist gesanglich gehalten und vermeidet jede übertriebene Empfindsamkeit. Seine Wirkung beruht auf einer ausgewogenen Linienführung und einer Haltung, die eher gesammelt als affektbetont erscheint. Koželuch zeigt hier einmal mehr, wie wirkungsvoll er mit einfachen, klar disponierten Mitteln arbeiten kann.
Mit dem Menuetto: Allegretto kehrt die Sinfonie in eine bewegtere, rhythmisch deutlich gefasste Sphäre zurück. Der Satz wirkt leicht und wohlgeordnet, ohne schwerfällige Akzente oder übertriebene Feierlichkeit. Das Menuett ist hier kein bloßer Zwischensatz, sondern ein wichtiger Bestandteil der Gesamtbalance: Es verbindet tänzerische Bewegung mit klassischer Disziplin.
Das Finale, Presto con fuoco, setzt einen energischen und prägnanten Schlusspunkt. Der Zusatz con fuoco verleiht dem Satz einen spürbaren inneren Antrieb, doch bleibt die Musik auch im raschen Tempo unter Kontrolle. Koželuch bündelt die Kräfte des Werkes zu einem Abschluss, der temperamentvoll wirkt, ohne ins bloß Virtuose abzugleiten. Gerade darin zeigt sich seine Fähigkeit, Lebendigkeit und Formbewusstsein miteinander zu verbinden.
In der Einspielung des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec (* 1985) erscheint die Sinfonie in besonders schlüssiger Gestalt. Die Interpretation hebt die klare Architektur des Werkes hervor, ohne den natürlichen Fluss der Musik zu hemmen. Vor allem in den schnellen Ecksätzen überzeugt das präzise, unaufgeregte Musizieren, während die ruhigeren Abschnitte mit stilistischer Ruhe und guter klanglicher Balance gestaltet sind. So wirkt die Sinfonie nicht nur gefällig, sondern als ein Werk mit eigener Handschrift und deutlich ausgeprägtem Profil.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 3, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2019, Tracks 5–8:
https://www.youtube.com/watch?v=L7ezAxH22tk&list=OLAK5uy_kVbmkZhAX1y5WY5IoNlxH7TnqmfB7gMdE&index=5
Sinfonie in A-Dur P I:10 „À la française“
Koželuchs Sinfonie in A-Dur P I:10 „À la française“ gehört zu den auffälligeren Werken seines sinfonischen Schaffens, nicht zuletzt wegen ihres ungewöhnlichen Beinamens. Ein genaues Kompositionsjahr ist auch hier nicht gesichert; das Werk steht jedoch eindeutig im Kontext der 1780er Jahre, einer Zeit, in der Koželuch in Wien als Komponist von geschmackvollen und publikumswirksamen Sinfonien präsent war.
Der Zusatz „À la française“ bedeutet wörtlich „in französischer Art“ oder „nach französischem Geschmack“. Gemeint ist damit keine konkrete Programmmusik, sondern eine stilistische Anspielung. Im 18. Jahrhundert verband man mit dem „französischen Stil“ bestimmte musikalische Eigenschaften: Eleganz, klare Rhythmen, oft eine gewisse Vorliebe für tänzerische Gesten und eine bewusste, manchmal fast höfische Form der Ausarbeitung. Koželuch signalisiert mit diesem Titel also, dass die Sinfonie sich — zumindest teilweise — an solchen Klangvorstellungen orientiert oder sie reflektiert.
https://www.youtube.com/watch?v=ZDlbcfXzvl4
Der erste Satz (Allegro molto) setzt entsprechend mit einer Musik ein, die nicht auf Dramatik zielt, sondern auf Bewegung und Profil. Die Themen sind klar konturiert, die rhythmische Struktur deutlich, und man spürt eine gewisse Leichtigkeit im Zugriff. Der Satz entwickelt sich zügig, ohne an Transparenz zu verlieren; alles wirkt gut proportioniert und in sich schlüssig.
Das folgende Poco adagio ma più andante nimmt das Tempo bewusst zurück, ohne in wirkliche Ruhe zu fallen. Es ist kein getragenes Adagio im späteren Sinn, sondern eher eine gemäßigte, fließende Bewegung. Gerade darin zeigt sich eine Nähe zum französischen Geschmack: Der Satz bleibt elegant, kontrolliert und vermeidet jede übermäßige Innigkeit. Die Musik spricht eher durch Haltung als durch starke Affekte.
Das Menuetto steht im Zentrum der Sinfonie und gewinnt hier besonderes Gewicht. Es wirkt nicht bloß als traditioneller Tanzsatz, sondern als bewusste stilistische Referenz. Die klare rhythmische Zeichnung und die kontrollierte Bewegung lassen an höfische Tanzformen denken, ohne dass der Satz jemals schwer oder formalistisch wirkt. Das Trio sorgt für eine leichte klangliche Differenzierung, bleibt aber im selben stilistischen Rahmen.
Das Finale (Presto con fuoco) setzt dann einen deutlichen Kontrast. Hier tritt die Energie stärker hervor, und die Musik gewinnt an Schärfe und Vorwärtsdrang. Dennoch bleibt auch dieser Satz innerhalb der klassischen Balance: Die Lebendigkeit ist kontrolliert, die Form klar gegliedert. So endet die Sinfonie nicht mit äußerem Effekt, sondern mit einer konzentrierten, gut geführten Bewegung.
Die Besetzung entspricht dem klassischen Orchester seiner Zeit mit Streichern sowie je zwei Oboen und Hörnern, wodurch ein klarer, transparenter Gesamtklang entsteht, der die rhythmischen und formalen Eigenschaften besonders gut zur Geltung bringt.
In der Einspielung des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec (g* 1985) tritt gerade dieser stilistische Aspekt deutlich hervor. Die Interpretation betont weniger den Kontrast als die Geschlossenheit der Sätze und lässt die Musik mit natürlicher Eleganz fließen. Besonders im zweiten Satz und im Menuett wird spürbar, wie sehr diese Sinfonie von Maß, Haltung und rhythmischer Klarheit lebt. Das Finale fügt sich nahtlos ein und rundet das Werk mit kontrollierter Energie ab.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 3, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2019, Tracks 1–4:
https://www.youtube.com/watch?v=Wd-zbj7vawc&list=OLAK5uy_kVbmkZhAX1y5WY5IoNlxH7TnqmfB7gMdE&index=1
Sinfonie in B-Dur, P I:11 „L’irrésolu“
Die Sinfonie in B-Dur P I:11 „L’irrésolu“ zieht schon durch ihren Beinamen besondere Aufmerksamkeit auf sich. Das französische Wort „L’irrésolu“ bedeutet „der Unentschlossene“ oder „der Unschlüssige“ und gibt der Sinfonie von vornherein ein eigenes Profil. Gemeint ist damit wohl kein festes Programm im späteren Sinn, sondern eher eine Charakterbezeichnung: eine Musik, die mit wechselnden Impulsen, kleinen Spannungen und einer bewusst beweglichen Haltung arbeitet.
https://www.youtube.com/watch?v=t_jN7GqXV1E
Schon der erste Satz, Allegro ma più presto, zeigt eine ausgeprägte innere Unruhe, ohne dabei die formale Klarheit zu verlieren. Die Musik drängt vorwärts, wirkt aber nicht blind entschlossen, sondern eher elastisch und in ihren Wendungen erstaunlich fein abgestuft. Gerade darin lässt sich der Beiname gut nachvollziehen: Koželuch gestaltet den Satz nicht als geradlinigen Kraftausbruch, sondern als ein klug geführtes Spiel von Antrieb und Zurücknahme. Das verleiht dem Kopfsatz ein eigenes, sehr charakteristisches Gepräge.
Das Adagio bildet dazu einen ruhigen Gegenpol. Es ist kein schwerer oder pathetischer langsamer Satz, sondern von gesammelter, gesanglicher Haltung. Die musikalischen Linien entfalten sich mit Zurückhaltung und Ruhe, ohne spannungslos zu werden. Koželuch erreicht hier seine Wirkung nicht durch große Geste, sondern durch Maß, Ausgleich und eine sehr gepflegte melodische Führung.
Mit dem Menuetto: Vivace gewinnt die Sinfonie wieder an rhythmischer Festigkeit. Der Satz wirkt belebt und klar konturiert, zugleich aber leicht und beweglich. Gerade das Vivace verhindert jede Schwerfälligkeit: Das Menuett tritt nicht als repräsentativer Tanzsatz auf, sondern als lebendige, präzise geformte Station innerhalb des Gesamtverlaufs.
Das Finale, Allegro molto poco presto, ist besonders reizvoll, weil seine Tempobezeichnung bereits eine gewisse Zurückhaltung erkennen lässt. Der Satz ist lebhaft, aber nicht überstürzt; er bewahrt bis zum Schluss jene kontrollierte Beweglichkeit, die dem ganzen Werk ihr eigenes Gesicht gibt. So endet die Sinfonie nicht mit äußerem Glanz, sondern mit kluger Spannung und sicherer formaler Führung.
Gerade in dieser Verbindung von Klarheit, Charakter und kontrollierter Energie liegt der Reiz dieser B-Dur-Sinfonie. Sie gehört zu den Werken Koželuchs, in denen sich seine Fähigkeit besonders gut zeigt, klassische Ausgewogenheit mit einer individuellen, leicht sprechenden Tonsprache zu verbinden.
In der Einspielung des Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter Marek Štilec (geb. 1985) kommt dieser Charakter sehr schön zur Geltung. Die Interpretation betont nicht das Äußerliche, sondern die feinen Unterschiede im Tonfall der einzelnen Sätze. Dadurch erscheint die Sinfonie nicht nur elegant und gut gebaut, sondern auch als ein Werk mit eigener Physiognomie und bemerkenswerter Ausdrucksnuance.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 3, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2019, Tracks 9–12:
https://www.youtube.com/watch?v=SjAMXarMSxA&list=OLAK5uy_kVbmkZhAX1y5WY5IoNlxH7TnqmfB7gMdE&index=9
Sinfonie in D-Dur, P I:D3
Leopold Koželuchs Sinfonie in D-Dur, P I:D3 (Op. 22 Nr. 2) ist in einer modernen Aufnahme mit dem Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice unter der Leitung von Marek Štilec (* 1985) greifbar, erschienen bei Naxos innerhalb der Reihe seiner Sinfonien. Diese Einspielung präsentiert das Werk in einer klar strukturierten, stilistisch überzeugenden Lesart, die den Charakter der Musik sehr gut trifft.
Die Interpretation verzichtet bewusst auf jede übermäßige Dramatisierung und legt stattdessen den Schwerpunkt auf Transparenz, rhythmische Präzision und ausgewogene Proportionen. Gerade im ersten Satz (Allegro con brio) wird deutlich, wie sorgfältig die musikalischen Linien geführt sind: Die Themen bleiben klar erkennbar, ohne dass der Fluss der Musik unterbrochen würde. Das Orchester musiziert mit schlankem Klangbild und präziser Artikulation, wodurch die Struktur des Satzes jederzeit nachvollziehbar bleibt.
Das Andante wirkt ruhig und gesammelt, ohne in bloße Klangschönheit zu verfallen. Vielmehr entsteht der Eindruck einer kontrollierten, stilbewussten Gestaltung, die sich auf das Wesentliche konzentriert. Die Balance zwischen den Instrumentengruppen ist dabei besonders gelungen, sodass die melodische Linie ungestört zur Geltung kommt.
Im Finale (Allegro) zeigt sich die Stärke dieser Einspielung vielleicht am deutlichsten. Der Satz besitzt Energie und Vorwärtsdrang, bleibt jedoch stets kontrolliert und klar gegliedert. Die Musik gewinnt an Lebendigkeit, ohne ihre formale Ordnung zu verlieren — ein Zug, der für Koželuchs sinfonischen Stil insgesamt charakteristisch ist.
Insgesamt vermittelt diese Aufnahme ein sehr überzeugendes Bild der Sinfonie: nicht als spektakuläres Einzelwerk, sondern als ein in sich geschlossenes, klug gebautes und wirkungsvolles Beispiel frühklassischer Orchesterkunst. Gerade in ihrer Nüchternheit, Klarheit und stilistischen Sicherheit liegt die Qualität dieser Interpretation, die dem Werk gerecht wird, ohne ihm fremde Effekte aufzuzwingen.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Symphonies, Vol. 2, Czech Chamber Philharmonic Orchestra Pardubice, Leitung Marek Štilec, Naxos, 2017, Tracks 12-14:
https://www.youtube.com/watch?v=JCh8QM9v9R4&list=OLAK5uy_l681F53PrMx95u-qNZ-E4r_T-o7rl3cuM&index=12
Sinfonia concertante in Es-Dur, P II:1
Leopold Koželuchs Sinfonia concertante in Es-Dur, P II:1 gehört zu den originellsten Beiträgen des Komponisten zur Gattung der konzertierenden Orchestermusik. Ein genaues Kompositionsjahr ist nicht gesichert; stilistisch lässt sich das Werk jedoch überzeugend in die 1790er Jahre einordnen, also in jene Phase, in der Koželuch in Wien als vielseitiger und erfolgreicher Komponist tätig war. Die ungewöhnliche Besetzung mit Mandoline, Trompete in Es, Kontrabass, Klavier und Orchester verleiht der Komposition von vornherein ein besonderes Gepräge und hebt sie deutlich von den gängigeren Sinfonia-concertante-Werken der Zeit ab.
https://www.youtube.com/watch?v=J1_uckESBws
Der erste Satz (Allegro) entfaltet einen lebhaften und zugleich klar strukturierten musikalischen Verlauf. Koželuch gelingt es, die sehr unterschiedlichen Soloinstrumente nicht gegeneinander auszuspielen, sondern in ein ausgewogenes Geflecht einzubinden. Die Mandoline bringt eine leichte, fast kammermusikalische Farbe ein, während die Trompete für strahlende Akzente sorgt. Klavier und Kontrabass übernehmen eine vermittelnde Rolle, indem sie sowohl die harmonische Basis stabilisieren als auch eigenständige solistische Akzente setzen. Das Ergebnis ist ein Satz, der durch Beweglichkeit und kluge Verteilung der klanglichen Gewichte überzeugt.
Im Andantino con variazioni zeigt sich Koželuch von seiner lyrischen und zugleich kunstvoll arbeitenden Seite. Der Variationssatz erlaubt es ihm, die einzelnen Instrumente in wechselnden Kombinationen hervorzuheben. Besonders reizvoll ist dabei der Kontrast zwischen der feinen Artikulation der Mandoline und dem warmen Klang des Kontrabasses, während das Klavier die strukturelle Verbindung zwischen den Stimmen herstellt. Die Variationen sind nicht bloß dekorativ, sondern sorgfältig disponiert und tragen wesentlich zur inneren Geschlossenheit des Werkes bei.
Das Finale (Rondo allegretto) bringt einen lebhaften, aber nicht überhasteten Abschluss. Der Satz ist von tänzerischer Leichtigkeit geprägt und lebt von der wiederkehrenden Rondo-Idee, die jeweils unterschiedlich beleuchtet wird. Auch hier bleibt das Gleichgewicht zwischen den Soloinstrumenten gewahrt; keine Stimme dominiert dauerhaft, vielmehr entsteht ein dialogischer Charakter, der dem Werk eine gewisse Eleganz und Offenheit verleiht. Gerade diese kontrollierte Spielfreude ist typisch für Koželuchs Stil.
Insgesamt zeigt die Sinfonia concertante in Es-Dur einen Komponisten, der die Möglichkeiten der Gattung sehr bewusst auslotet. Die Verbindung einer ungewöhnlichen Solistenbesetzung mit klarer formaler Anlage und ausgewogener Klangführung macht das Werk zu einem eigenständigen und bemerkenswerten Beitrag zur Orchestermusik der Wiener Klassik.
CD Vorschlag
Virtuose Trompetenmusik, Forgotten Treasures, Vol. 9, Kölner Akademie, Leitung Michael Alexander Willens (* 1952), Ars Produktion, 2011, Tracks 4–6:
https://www.youtube.com/watch?v=SE-kojkcyGQ&list=OLAK5uy_k7MZZ2d2tYU2S4vzAc0WkKRmnuedhiACY&index=4
Sinfonia concertante in C-Dur, P II:2
Leopold Koželuchs Sinfonia concertante in C-Dur, P II:2 gehört zu jenen Werken, die zwar eindeutig belegt sind, jedoch nur am Rand der heutigen Aufführungspraxis stehen. Ein genaues Kompositionsjahr ist nicht gesichert; stilistisch lässt sich das Werk jedoch plausibel in die späten 1780er oder 1790er Jahre einordnen. Die ungewöhnliche Besetzung mit Klavier, Flöte, Oboe, Fagott und Violoncello als gleichberechtigte Soloinstrumente macht die Komposition zu einem besonders interessanten Beispiel für die Vielfalt der Gattung sinfonia concertante, die in dieser Zeit zwischen Sinfonie und Solokonzert vermittelt.
https://www.youtube.com/watch?v=nqCqRUre4dY
Der erste Satz (Allegro) stellt die fünf Soloinstrumente von Beginn an in einen dialogischen Zusammenhang. Anders als im klassischen Konzert mit einem dominierenden Solisten entwickelt sich hier ein vielschichtiges Wechselspiel: Das Klavier übernimmt häufig eine strukturierende Rolle, während die Bläser und das Violoncello eigene klangliche Farben einbringen. Die musikalische Anlage zielt weniger auf virtuose Konkurrenz als auf Balance und abgestimmtes Zusammenwirken, wodurch ein differenziertes und zugleich übersichtliches Klangbild entsteht.
Im Zentrum des Werkes steht das Andantino con variazioni, ein ausgedehnter Variationssatz, der den eigentlichen Schwerpunkt der Komposition bildet. Nach der Vorstellung eines schlichten, klar konturierten Themas entfaltet Koželuch eine Reihe von Variationen, in denen die Soloinstrumente in wechselnden Kombinationen hervortreten. Jede Variation besitzt ein eigenes Profil: einmal steht das Klavier im Vordergrund, dann übernehmen Flöte und Oboe, später treten Violoncello oder Fagott solistisch hervor. Besonders bemerkenswert ist die Variation im Moll (Minore), die dem Satz eine unerwartete expressive Vertiefung verleiht, bevor das Werk wieder in den helleren Charakter der Grundtonart zurückkehrt. Diese Anlage zeigt Koželuchs Fähigkeit, mit begrenztem Material eine abwechslungsreiche und zugleich geschlossene Form zu gestalten.
Das Finale (Rondo. Allegretto) bringt das Werk zu einem lebendigen, aber nicht überhasteten Abschluss. Die wiederkehrende Rondo-Idee wird in wechselnden Instrumentenkombinationen präsentiert und variiert, sodass ein kontinuierlicher Fluss entsteht. Auch hier bleibt der Grundgedanke des Werkes erhalten: nicht die Demonstration einzelner Virtuosität, sondern das gemeinsame Musizieren mehrerer Solisten innerhalb eines ausgewogenen Gesamtklangs.
Insgesamt zeigt die Sinfonia concertante in C-Dur einen Komponisten, der die Möglichkeiten der Gattung bewusst erweitert. Die Verbindung von fünf Soloinstrumenten mit differenzierter Rollenverteilung, die zentrale Stellung eines kunstvoll gearbeiteten Variationssatzes und die klare formale Anlage machen das Werk zu einem eigenständigen und bemerkenswerten Beitrag zur Orchestermusik der Wiener Klassik. Zugleich erklärt gerade diese ungewöhnliche Konzeption, warum die Komposition heute nur selten aufgeführt wird: Sie stellt hohe Anforderungen an das Zusammenspiel und die Balance der beteiligten Musiker, bietet dafür jedoch ein reiches und farbiges klangliches Ergebnis.
Klavierkonzert op. 12 in F-Dur, P IV:1
Das Klavierkonzert op. 12 in F-Dur, P IV:1 von Leopold Koželuch gehört zu jenen Werken, mit denen sich der Komponist um 1784/85 als einer der führenden Vertreter des Wiener Klavierstils profilierte. In einer Zeit, in der das Hammerklavier das Cembalo zunehmend verdrängte und sich die Gattung des Solokonzerts in enger Wechselwirkung mit den pianistischen Möglichkeiten des Instruments entwickelte, erweist sich Koželuch hier als souveräner Vermittler zwischen galanter Eleganz und frühklassischer Ausdrucksvertiefung.
Das Werk steht in der für Koželuch charakteristischen Dreisätzigkeit, die sich am etablierten Konzerttypus orientiert, wie er durch Wolfgang Amadeus Mozart und andere Wiener Zeitgenossen geprägt worden war.
https://www.youtube.com/watch?v=7yfWGcI9pPE
Der eröffnende Satz entfaltet sich in einem lebhaften Allegro, dessen thematische Anlage bereits im Orchesterritornell eine klare, kantable Hauptidee präsentiert, die weniger auf kontrastierende Dramatik als auf ausgewogene Periodik und melodische Eingängigkeit zielt. Das Klavier tritt nicht als virtuoser Gegenspieler im später romantischen Sinne auf, sondern als integrativer Partner des Orchesters: Es übernimmt die thematischen Gedanken, variiert sie mit geschmackvoller Ornamentik und führt sie in einen Dialog, der von Eleganz und Klarheit geprägt ist. Auffällig ist dabei Koželuchs Gespür für klangliche Transparenz – selbst in dichter gearbeiteten Passagen bleibt die Struktur stets durchsichtig.
Der langsame Mittelsatz (Adagio), in einer lyrisch geprägten Tonart (häufig der Subdominantbereich), gehört zu den eindrucksvollsten Momenten des Konzerts. Hier zeigt sich Koželuchs besondere Stärke in der kantablen Gestaltung: Die Solostimme entfaltet eine gesangliche Linie von beinahe vokalem Charakter, die an die empfindsame Ausdruckswelt der Zeit anknüpft. Die Begleitung bleibt zurückhaltend, oft auf einfache Akkordstrukturen reduziert, wodurch ein intimer, beinahe kammermusikalischer Klangraum entsteht. In diesen Passagen wird deutlich, weshalb Koželuch von Zeitgenossen als Meister des geschmackvollen Spiels geschätzt wurde: Virtuosität erscheint hier nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel zur Verfeinerung des Ausdrucks.
Der Finalsatz (Rondo. Allegro) beschließt das Werk in heiterer, tänzerischer Bewegung, meist in Rondoform gestaltet. Charakteristisch ist die Leichtigkeit des thematischen Materials, das mit rhythmischem Esprit und spielerischer Wendigkeit überzeugt. Das Klavier brilliert hier mit beweglichen Passagen, Läufen und figurierten Motiven, ohne jedoch die stilistische Balance zu verlieren. Der Dialog mit dem Orchester bleibt lebendig und abwechslungsreich, wobei kurze Tutti-Einschübe und solistische Episoden ein abwechslungsreiches Wechselspiel erzeugen.
Insgesamt zeigt das Klavierkonzert op. 12 in F-Dur Koželuch auf dem Höhepunkt seiner Kunst: als Komponist, der die Errungenschaften der Wiener Klassik aufnimmt und in einer eigenen, weniger dramatisch zugespitzten, dafür umso eleganteren und klanglich fein austarierten Weise weiterführt. Das Werk steht exemplarisch für eine Ästhetik, die nicht auf äußerliche Virtuosität oder tiefgreifende Konfliktgestaltung abzielt, sondern auf Ausgewogenheit, melodischen Reiz und kultivierte Klangrede – Eigenschaften, die Koželuchs Musik im zeitgenössischen Konzertleben große Anerkennung verschafften.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Piano Concertos Nos. 1, 5 and 6, London Mozart Players, Leitung Howard Shelley (* 1950), Hyperion, 2017, Tracks 1–3:
https://www.youtube.com/watch?v=Q30YBiH71qA&list=OLAK5uy_n9ce51PDTZxI8s2qwosy9HPPl80rg6kYg&index=1
Klavierkonzert op. 13 in B-Dur, P IV:2
Das Klavierkonzert op. 13 in B-Dur, P IV:2 von Leopold Koželuch, entstanden um 1786, gehört zu den reiferen Beispielen seines konzertanten Schaffens und dokumentiert eindrucksvoll jene Phase, in der sich der Komponist im Wiener Musikleben endgültig als stilbildende Persönlichkeit etabliert hatte. Das Werk steht in enger Beziehung zur zeitgenössischen Konzertästhetik, wie sie insbesondere durch Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) geprägt wurde, ohne jedoch in bloße Nachahmung zu verfallen; vielmehr entfaltet Koželuch eine eigene Tonsprache, die sich durch Eleganz, Ausgewogenheit und eine ausgeprägte Vorliebe für kantable Linien auszeichnet.
https://www.youtube.com/watch?v=RCy9-w9k2Cw
Der erste Satz, Allegro, eröffnet das Konzert mit einem klar gegliederten Orchesterritornell, das ein thematisch prägnantes, zugleich leicht fassliches Hauptmotiv vorstellt. Die musikalische Anlage folgt dem klassischen Konzertprinzip, doch liegt der Schwerpunkt weniger auf dramatischer Konfrontation als auf dialogischer Entfaltung. Das Soloklavier tritt nach der orchestralen Exposition mit einer verzierten, oft figurierten Übernahme des Materials hinzu und entwickelt daraus ein feingliedriges Geflecht aus Läufen, gebrochenen Akkorden und melodischen Ausschmückungen. Bemerkenswert ist Koželuchs Gespür für Proportion: Virtuose Passagen bleiben stets in den musikalischen Zusammenhang eingebunden und dienen der klanglichen Differenzierung, nicht der bloßen Brillanz. Die Durchführung arbeitet mit motivischen Fragmenten, ohne die klare Periodik aufzugeben, und führt zu einer Reprise, die das thematische Material in ausgewogener Form zusammenführt.
Der zweite Satz, Adagio, bildet den emotionalen Mittelpunkt des Konzerts. In ruhigem, getragenem Gestus entfaltet sich eine weit gespannte Melodie, deren Gesanglichkeit unverkennbar an vokale Vorbilder erinnert. Das Klavier übernimmt hier eine beinahe ariose Rolle: Die Linie ist schlicht, doch von innerer Intensität, getragen von einer sensiblen harmonischen Führung. Das Orchester begleitet zurückhaltend und schafft einen transparenten Klangraum, in dem jede Nuance des Soloparts hörbar wird. Charakteristisch ist die Vermeidung äußerlicher Effekte zugunsten einer konzentrierten Ausdruckskultur, die den Hörer weniger überwältigt als vielmehr in eine ruhige, nach innen gerichtete Stimmung versetzt.
Der Finalsatz, Andantino con variazioni, stellt innerhalb der Konzertgattung eine besonders reizvolle Lösung dar. Anstelle eines reinen Rondos wählt Koželuch eine Variationsform, die ein schlichtes, liedhaftes Thema in den Mittelpunkt stellt. Dieses Thema wird in mehreren Variationen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet: Das Klavier entfaltet dabei ein breites Spektrum an figurierten Gestaltungen, von ornamentalen Verzierungen über bewegte Passagen bis hin zu subtilen Veränderungen der Begleitstruktur. Das Orchester beteiligt sich aktiv an diesem Prozess, indem es das thematische Material aufgreift, kontrastiert und kommentiert. Die Variationen steigern sich allmählich in ihrer Bewegtheit, ohne jedoch die grundlegende Anmut des Themas zu verlieren, und führen zu einem heiteren, ausgewogenen Abschluss.
IMSLP: https://imslp.org/wiki/Keyboard_Concerto_in_B-flat_major%2C_P.IV:2_(Kozeluch%2C_Leopold)
Insgesamt zeigt das Klavierkonzert op. 13 in B-Dur Koželuch als Meister einer kultivierten, auf Ausgleich und Klangschönheit gerichteten Konzertkunst. Die Verbindung von gesanglicher Melodik, maßvoller Virtuosität und formaler Klarheit macht das Werk zu einem exemplarischen Zeugnis der Wiener Klassik jenseits der großen dramatischen Geste – eine Musik, die weniger durch Kontrast als durch feine Abstufung und stilistische Noblesse überzeugt.
CD Vorschlag
Keyboard Works of Leopold Kozeluch, Piano Concerto No. 2 in B-Flat Major, Rondo Concerto No. 9 in C major und Sonatas for Four Hands, Classical Chamber Players, Leitung Tracy M. Parish (* 1973), Mark Records, 2013, Tracks 1–3:
https://www.youtube.com/watch?v=not4LB5OiWY&list=OLAK5uy_nZua9GZF_ccjb78otWuitbSfHi9jxN2Ys&index=2
Klavierkonzert op. 16 in A-Dur, P IV:4
Leopold Koželuchs Klavierkonzert op. 16 in A-Dur, P IV:4, gehört zu jenen Werken, in denen sich seine besondere Begabung für elegante Formgebung, kantable Melodik und fein austarierte Klangbalance besonders deutlich zeigt. Das Konzert ist dreisätzig angelegt und umfasst die Folge Allegro – Andantino – Rondeau. Poco presto; überliefert ist es als Werk für Klavier mit Orchester, in der gedruckten Quelle mit Streichern sowie Oboen und Hörnern, wobei die Quellenlage bei den Bläsern im Detail nicht ganz eindeutig ist.
https://www.youtube.com/watch?v=CDYIs-aS6qg
Schon der erste Satz, Allegro, macht hörbar, dass Koželuch nicht auf äußere Effekte oder demonstrative Wucht zielt, sondern auf Klarheit, Beweglichkeit und geschmackvolle pianistische Entfaltung. Das thematische Material wirkt licht und einladend; es ist weniger von dramatischen Gegensätzen als von ausgewogener Periodik und melodischer Fasslichkeit bestimmt. Gerade darin liegt eine der besonderen Stärken dieses Konzerts: Das Soloinstrument tritt nicht als kämpferischer Widerpart des Orchesters auf, sondern als kultivierter Partner in einem lebendigen Wechselspiel. Aus der orchestralen Einleitung entwickelt sich ein Solopart, der mit Läufen, gebrochenen Akkorden und figurierten Passagen glänzt, ohne jemals ins bloß Virtuose abzugleiten. Die Brillanz bleibt stets in den musikalischen Zusammenhang eingebunden und dient der Verfeinerung des Ausdrucks. Dass Koželuch mit diesem Werk einen typischen Vertreter des klassischen Wiener Klavierkonzerts vorlegt, zugleich aber seine eigene Handschrift wahrt, macht den Reiz des Satzes aus.
Der langsame Mittelsatz, Andantino, führt in eine deutlich intimere Sphäre. Hier zeigt sich Koželuchs Gespür für gesangliche Linien und empfindsame Nuancierung besonders schön. An die Stelle konzertanter Entfaltung tritt nun eine Musik der Ruhe, der Anmut und des inneren Atems. Das Klavier singt gleichsam über einer behutsam getragenen Begleitung; der Tonfall ist nicht pathetisch, sondern edel zurückgenommen. Gerade in solchen langsamen Sätzen offenbart sich Koželuchs Nähe zu jener Wiener Ästhetik, die Schönheit nicht in Übersteigerung, sondern in Maß, Proportion und klanglicher Delikatesse sucht. Der Satz wirkt dadurch weniger als dramatischer Mittelpunkt denn als verinnerlichte Zone des Innehaltens. Die auf der CD-Einspielung überlieferten Trackangaben bestätigen diese Mittelsatzfunktion ausdrücklich.
Das Finale, ein Rondeau. Poco presto, bringt dann die heitere und bewegliche Seite des Werks mit besonderem Charme zur Geltung. Die Rondogestalt erlaubt Koželuch ein abwechslungsreiches Spiel mit Wiederkehr und Kontrast: Ein eingängiges Hauptthema kehrt mehrfach wieder, wird von episodischen Einschüben umspielt und gewinnt gerade dadurch Leichtigkeit und Schwung. Das Klavier kann hier seine Beweglichkeit, seine elegante Figuration und seinen spielerischen Esprit entfalten. Doch auch im rascheren Schluss bleibt der Stil vornehm und kontrolliert; nichts wirkt grob oder überladen. Vielmehr entsteht der Eindruck einer Musik, die durch Wendigkeit, Charme und rhythmischen Elan überzeugt. Gerade dieser Schlusssatz verleiht dem Konzert seine offene, freundliche und ausgesprochen konzerttaugliche Physiognomie.
Insgesamt erscheint das Klavierkonzert op. 16 in A-Dur als ein charakteristisches Beispiel für Koželuchs konzertantes Schaffen in seiner reifen klassisch-wienerischen Ausprägung. Es verbindet melodische Eingängigkeit mit pianistischer Eleganz, formale Übersicht mit feiner Differenzierung und orchestrale Klarheit mit solistischer Beweglichkeit. Gerade weil es nicht auf tiefe Tragik oder spektakuläre Originalität um jeden Preis setzt, sondern auf kultivierte Ausgewogenheit, besitzt es einen eigenen Reiz. Es ist Musik von hoher handwerklicher Souveränität und geschmacklicher Sicherheit — ein Werk, das Koželuch als Meister einer noblen, klangschönen und stilistisch sehr geschlossenen Konzertkunst zeigt.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Piano Concertos 1, 4 and 5, Slovak Sinfonietta Žilina, Leitung Oliver von Dohnányi (* 1955), Oehms Classics, 2006, Tracks 7–9:
https://www.youtube.com/watch?v=rBPt1V7rZoI&list=OLAK5uy_kOUZAoDuWM3JrZtQYzAshxhVpzxLHfMr8&index=7
Klavierkonzert op. 15 in Es-Dur, P IV:5
Leopold Koželuchs Klavierkonzert op. 15 in Es-Dur, P IV:5, gehört zu den besonders repräsentativen Beispielen seines konzertanten Stils. Das Werk erschien 1784 oder 1785 in Paris und steht damit in jener Schaffensphase, in der sich Koželuch als einer der angesehensten Klavierkomponisten seiner Zeit etabliert hatte. Es ist für Soloklavier mit Orchester gesetzt; die überlieferten Quellen nennen zwei Oboen, zwei Hörner und Streicher. Schon diese Besetzung verleiht dem Konzert einen festlichen, zugleich noblen Klangrahmen, der sehr gut zur Tonart Es-Dur passt, die im 18. Jahrhundert häufig mit Würde, Wärme und höfischer Pracht verbunden wurde.
https://www.youtube.com/watch?v=LsqoctPXOMo
Der erste Satz, Allegro, eröffnet das Werk mit einer musikalischen Haltung, die weniger auf dramatische Zuspitzung als auf Glanz, Weite und elegante Selbstsicherheit zielt. Das thematische Material besitzt Profil und Gravität, ohne schwerfällig zu wirken; vielmehr verbindet Koželuch feierlichen Ton mit jener Leichtigkeit, die für die Wiener Klassik so kennzeichnend ist. Besonders reizvoll ist dabei die klangliche Beziehung zwischen dem Soloinstrument und den Bläsern: Das Klavier erscheint im Verlauf des Satzes häufig in enger Nachbarschaft zu Oboen und Hörnern, wodurch ein charakteristischer Mischklang entsteht, der dem Satz eine vornehme Farbe gibt und bereits auf den jagdhaft-bewegten Ton des Finales vorausweist. Das Soloinstrument tritt auch hier nicht als dominierender Virtuose auf, sondern als kultivierter Mittelpunkt eines fein austarierten Wechselspiels mit dem Orchester. Läufe, figuriertes Passagenwerk und ornamentale Wendungen sind vorhanden, bleiben aber stets in die musikalische Gesamtform eingebunden. Hyperion hebt mit Recht hervor, dass dieses Allegro thematisch markanter auftritt als der entsprechende Satz des F-Dur-Konzerts; zugleich wahrt es jene Geschmeidigkeit und klangliche Balance, die Koželuchs Musik so unverwechselbar machen.
Der Mittelsatz, Andante con variazioni, bildet den poetischen Kern des Konzerts. Koželuch entscheidet sich hier nicht für einen bloß kantablen langsamen Satz, sondern für eine Variationsform, die ihm erlaubt, ein schlichtes, gesangliches Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Gerade darin zeigt sich seine besondere Begabung: Nicht die große Geste, sondern die feine Wandlung, die geschmackvolle Ausschmückung und die sensible Veränderung von Textur und Klang stehen im Mittelpunkt. Das Klavier entfaltet eine edle, sangliche Linie, die vom Orchester behutsam getragen wird. Die Variationen dienen dabei nicht der bloßen Demonstration technischer Mittel, sondern der Verfeinerung des Ausdrucks. So gewinnt der Satz eine stille Noblesse, die sehr gut zum Grundcharakter des ganzen Konzerts passt.
Das Finale, Rondeau. Poco presto, bringt sodann eine hellere und bewegtere Seite des Werks zum Vorschein. Der Satz besitzt Schwung, rhythmische Frische und eine leichte, bisweilen fast jagdhaft anmutende Energie, ohne dass die vornehme Haltung des Konzerts verloren ginge. Gerade hier bestätigt sich der Eindruck, dass Koželuch den Es-Dur-Charakter nicht nur als festlich, sondern auch als lebendig und farbig versteht. Das wiederkehrende Hauptthema verleiht dem Satz Geschlossenheit, während die Episoden dem Solisten Gelegenheit geben, Beweglichkeit, Eleganz und geistreiche Spielfreude zu entfalten. Auch im rascheren Tempo bleibt alles durchsichtig und stilistisch kontrolliert; nichts wirkt überladen, alles ist auf musikalische Anmut und klangliche Wirkung hin geordnet.
Insgesamt bewahrt das Klavierkonzert op. 15 in Es-Dur tatsächlich jenen würdevollen und edlen Grundton, den du in dem kurzen Hinweis aus dem Internet gefunden hast. Diese Beobachtung trifft den Charakter des Werkes sehr gut, muss aber sprachlich etwas geglättet werden: Nicht pathetische Größe, sondern kultivierte Noblesse prägt dieses Konzert. Koželuch zeigt sich hier als Meister einer Konzertkunst, die melodische Eingängigkeit, pianistische Eleganz und orchestrale Farbigkeit in ein äußerst ausgewogenes Verhältnis bringt. Gerade deshalb ist das Werk nicht nur ein reizvolles Dokument seiner Zeit, sondern ein ausgesprochen gelungenes Beispiel für jene klassisch-wienerische Konzertästhetik, die auf Maß, Schönheit und klangliche Delikatesse setzt.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Piano Concertos Nos. 1, 5 and 6, London Mozart Players, Leitung Howard Shelley (* 1950), Hyperion, 2017, Tracks 4–6:
https://www.youtube.com/watch?v=BkTrgtGTx0c&list=OLAK5uy_n9ce51PDTZxI8s2qwosy9HPPl80rg6kYg&index=4
Klavierkonzert in C-Dur, P IV:6
Leopold Koželuchs Klavierkonzert in C-Dur, P IV:6, ist ein Werk aus jener Schaffensperiode, in der sich der Komponist als einer der elegantesten und erfolgreichsten Vertreter des Wiener Klavierstils etablierte. Das Konzert wurde 1786 in Paris veröffentlicht und gehört in jene Übergangszeit, in der sich das Hammerklavier immer stärker gegenüber dem Cembalo durchzusetzen begann. Gerade deshalb ist Koželuchs konzertantes Schaffen besonders aufschlussreich: Seine Musik verbindet noch die Leichtigkeit und Klarheit des galanten Stils mit jener formalen Geschlossenheit und klanglichen Ausgewogenheit, die man mit der reifen Wiener Klassik verbindet.
Der erste Satz, Allegro, eröffnet das Werk in einem hellen, offenen und freundlichen Ton, der der Tonart C-Dur in besonderer Weise entspricht. Hier entfaltet Koželuch eine Musik von klarer Kontur und ausgewogener Periodik, deren Reiz nicht in dramatischer Zuspitzung, sondern in Eleganz, Beweglichkeit und melodischer Fasslichkeit liegt. Das Soloklavier tritt nicht als kämpferischer Widerpart des Orchesters auf, sondern als kultivierter Partner, der das thematische Material übernimmt, verfeinert und mit geschmackvollen Figurationen weiterführt. Läufe, gebrochene Akkorde und ornamentale Wendungen dienen dabei nie bloß äußerer Brillanz, sondern bleiben stets in den musikalischen Zusammenhang eingebunden. Gerade diese Verbindung von technischer Gewandtheit und stilistischer Noblesse ist für Koželuchs Konzertkunst bezeichnend.
Der zweite Satz, Andante, führt in einen ruhigeren und gesanglicheren Bereich. Hier zeigt sich besonders deutlich Koželuchs Vorliebe für kantable Linien und für eine Ausdruckswelt, die nicht auf Pathos, sondern auf feine Empfindung setzt. Das Klavier scheint gleichsam zu singen; seine Melodik wirkt schlicht, aber nie belanglos, sondern lebt von innerer Ruhe, ausgewogenen Phrasen und einem Sinn für klangliche Delikatesse. Das Orchester begleitet zurückhaltend und schafft damit einen lichten Klangraum, in dem sich der Solopart frei und unaufdringlich entfalten kann. Solche langsamen Sätze gehören zu den stillen Stärken Koželuchs: Sie suchen nicht den großen Affekt, sondern überzeugen durch Anmut, Maß und eine feinsinnige lyrische Haltung.
Besonders charakteristisch ist der Schlusssatz, Tempo di menuetto. Dass Koželuch sein Konzert nicht mit einem stürmischen Rondo, sondern mit einem Satz im Menuettcharakter beschließt, verleiht dem Werk eine eigene Physiognomie. Das Finale wahrt dadurch bis zuletzt eine vornehme, höfisch geprägte Haltung. An die Stelle virtuoser Zuspitzung tritt eine Musik von tänzerischer Eleganz, rhythmischer Geschmeidigkeit und stilvoller Balance. Das Klavier kann auch hier Beweglichkeit und Feinheit entfalten, doch geschieht dies innerhalb eines Rahmens, der von Grazie und kultivierter Beherrschung bestimmt bleibt. Gerade dieser Menuettton gibt dem Konzert einen besonders reizvollen Abschluss: nicht spektakulär, sondern stilvoll, ausgewogen und von klassischer Selbstverständlichkeit getragen.
Insgesamt erscheint das Klavierkonzert in C-Dur, P IV:6, als ein sehr charakteristisches Werk Koželuchs. Es verbindet Helligkeit und Klarheit mit gesanglicher Empfindung und einem feinen Sinn für höfische Eleganz. Die Satzfolge Allegro – Andante – Tempo di menuetto zeigt dabei sehr schön, dass Koželuch nicht auf dramatische Kontraste oder äußerliche Virtuosität zielt, sondern auf formale Harmonie, melodischen Reiz und klangliche Delikatesse. Eben darin liegt die besondere Qualität dieses Konzerts: Es ist Musik von kultivierter Brillanz, geschmackvoller Zurückhaltung und einer Noblesse, die sich nicht aufdrängt, sondern ganz selbstverständlich aus der kompositorischen Haltung selbst hervorgeht.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Piano Concertos Nos. 1, 5 and 6, London Mozart Players, Leitung Howard Shelley (* 1950), Hyperion, 2017, Tracks 7–9:
https://www.youtube.com/watch?v=npwbvOfHreM&list=OLAK5uy_n9ce51PDTZxI8s2qwosy9HPPl80rg6kYg&index=7
Klavierkonzert op. 25 in D-Dur, P IV:7
Leopold Koželuchs Klavierkonzert op. 25 in D-Dur, P IV:7, gehört zu den besonders reizvollen Beispielen seines konzertanten Schaffens und zeigt ihn als Komponisten, der Eleganz, pianistisches Raffinement und formale Klarheit auf sehr überzeugende Weise miteinander verbindet. Das Werk ist in den Quellen als dreisätziges Konzert überliefert; öffentlich greifbare Kataloge nennen für den ersten Satz ein Allegro und für das Finale Andantino con variazioni – Allegro, während die Bezeichnung des langsamen Mittelsatzes uneinheitlich als Adagio oder Andante erscheint. Eine Einspielung des Werks ist nachweisbar, unter anderem mit Felicja Blumental (1908–1991), dem Prague New Chamber Orchestra und Alberto Zedda (1928–2017):
https://www.youtube.com/watch?v=Oe6BvQxV7jE
Schon der erste Satz, Allegro, macht deutlich, worin Koželuchs Stärke liegt. Die Musik zielt nicht auf dramatische Schärfe oder orchestrale Wucht, sondern auf Helligkeit, Beweglichkeit und einen kultivierten konzertanten Ton. D-Dur verleiht dem Werk dabei von Natur aus etwas Strahlendes und Offenes; das thematische Material wirkt klar konturiert, freundlich und zugleich entschieden genug, um dem Satz Profil zu geben. Das Soloklavier erscheint nicht als kämpferischer Gegenspieler des Orchesters, sondern als dessen veredelnder Mittelpunkt. Es übernimmt die Gedanken der Einleitung, führt sie mit Figurationen weiter, lockert sie durch Läufe und gebrochene Akkorde auf und bringt jene elegante Brillanz ein, die für Koželuchs Klavierstil so kennzeichnend ist. Gerade in diesem ausgewogenen Verhältnis zwischen Orchester und Soloinstrument liegt der Reiz des Satzes: Alles bleibt durchsichtig, geschmackvoll und von klassischer Balance getragen. Die dreisätzige Anlage und die Erfassung des ersten Satzes als Allegro sind quellenmäßig belegt; die genauere stilistische Charakterisierung ist eine musikgeschichtliche Einordnung auf Grundlage von Koželuchs gesichert überliefertem Konzertstil.
Der langsame Mittelsatz bildet den lyrischen Kern des Konzerts. Ob man der Quellenbezeichnung Adagio oder Andante folgt, in jedem Fall gehört dieser Satz in jene Sphäre ruhiger, gesanglicher Empfindung, die Koželuch besonders gut beherrscht. Hier tritt die Virtuosität deutlich zurück; an ihre Stelle treten kantable Linien, feine harmonische Schattierungen und eine Atmosphäre stiller Noblesse. Das Klavier scheint weniger zu brillieren als zu sprechen oder zu singen. Gerade darin zeigt sich Koželuchs Nähe zu jener klassisch empfindsamen Ausdruckswelt, die nicht von großen Konflikten lebt, sondern von Maß, Anmut und klanglicher Delikatesse. Dass die Quellen beim Tempowort schwanken, ändert am Grundcharakter wenig: Gemeint ist offenbar ein verinnerlichter, ruhiger Mittelsatz, der dem Konzert Gewicht und Tiefe verleiht, ohne in Pathos umzuschlagen. Die abweichenden Satzbezeichnungen sind in heutigen Online-Tracklisten tatsächlich nebeneinander bezeugt.
Besonders interessant ist das Finale, Andantino con variazioni – Allegro. Schon diese Bezeichnung zeigt, dass Koželuch nicht einfach auf ein konventionelles Rondo setzt, sondern die Variationsform in das Schlussgeschehen integriert. Das verleiht dem Satz eine besondere Physiognomie. Ein eingängiges Thema steht im Mittelpunkt und wird in mehreren Wandlungen beleuchtet; das Klavier kann dabei seine Beweglichkeit, seine ornamentale Feinheit und seinen spielerischen Esprit entfalten, ohne die stilistische Balance zu verlieren. Die Variationsidee erlaubt Koželuch, unterschiedliche klangliche und technische Facetten des Soloinstruments zu zeigen, ohne den Zusammenhang aufzugeben. Wenn der Satz sich zum abschließenden Allegro hin belebt, gewinnt das Werk noch einmal an Schwung und Leuchtkraft. Gerade diese Verbindung aus Variation, Eleganz und belebtem Ausklang macht den Finalsatz besonders charakteristisch und verleiht dem Konzert einen Abschluss, der zugleich geistreich und publikumswirksam wirkt. Die Bezeichnung des Finales ist in modernen Katalog- und Streamingangaben gut belegt.
Insgesamt erscheint das Klavierkonzert op. 25 in D-Dur als ein Werk von hohem Reiz und typischer Koželuchscher Handschrift. Es verbindet die helle Festlichkeit der Tonart D-Dur mit gesanglicher Empfindung im Mittelsatz und einer geistreichen, variationsartig angelegten Schlussbewegung. Die Musik sucht nicht das Außergewöhnliche um jeden Preis, sondern überzeugt durch Proportion, Klarheit und eine sehr kultivierte Form des pianistischen Glanzes. Gerade deshalb ist dieses Konzert ein schönes Beispiel für jene Spielart der Wiener Klassik, in der Anmut, stilistische Sicherheit und melodische Fasslichkeit höher geschätzt werden als dramatische Übertreibung. Es zeigt Koželuch als Meister einer noblen, klangschönen und ausgesprochen wirkungsvollen Konzertkunst.
CD Vorschlag
Romantic Piano Concertos, Vol. 2, Prague New Chamber Orchestra, Leitung Alberto Zedda, Vox Productions, 1970 / 2015, Tracks 1–3:
https://www.youtube.com/watch?v=9eSsnNPXPwA&list=OLAK5uy_n6XLYMokmbNKL9MEbJ842PiUrhuBtHFtI&index=1
Konzert für Klavier zu vier Händen in B-Dur, P IV:8
Leopold Koželuchs Konzert für Klavier zu vier Händen in B-Dur, P IV:8, entstanden im Jahr 1789, nimmt innerhalb seines konzertanten Schaffens eine besondere Stellung ein. Während der Komponist vor allem durch seine zahlreichen Solokonzerte hervorgetreten ist, eröffnet dieses Werk mit der Besetzung für zwei Spieler an einem Instrument eine eigene klangliche und ästhetische Perspektive. Es gehört zu jenen seltenen Beispielen des späten 18. Jahrhunderts, in denen das vierhändige Klavierspiel nicht nur als häusliche Musizierform, sondern als konzertantes Medium mit orchestraler Einbindung gestaltet wird.
https://www.youtube.com/watch?v=j9XY4pAWfuE
Der erste Satz, Allegro, entfaltet von Beginn an eine lebendige, dialogisch geprägte Anlage. Anders als im herkömmlichen Klavierkonzert, in dem ein einzelner Solist dem Orchester gegenübersteht, entsteht hier ein vielschichtiges Geflecht aus drei Ebenen: Orchester, Primo- und Secondo-Part des Klaviers. Koželuch nutzt diese Konstellation mit großer Umsicht. Die beiden Spieler treten nicht als konkurrierende Virtuosen auf, sondern bilden ein eng verzahntes Ganzes, das zwischen gemeinsamer Klangentfaltung und subtiler Aufgabenteilung wechselt. Thematisches Material wird zwischen den Händen weitergereicht, imitatorisch verarbeitet oder gemeinsam in dichter Figuration entfaltet. Gerade diese Binnenbewegung innerhalb des Soloparts verleiht dem Satz eine besondere Lebendigkeit. Zugleich bleibt die äußere Form klar und übersichtlich: Die Themen sind prägnant, die Periodik ausgewogen, und die Virtuosität erscheint stets als Mittel zur klanglichen Differenzierung, nicht als Selbstzweck.
Der zweite Satz, Adagio, führt in eine deutlich verinnerlichte Klangwelt. Hier zeigt sich Koželuchs besondere Begabung für gesangliche Linien und empfindsame Ausdrucksnuancen. Die vierhändige Anlage ermöglicht dabei eine besonders reiche Klangschattierung: Während eine Stimme die kantable Linie trägt, kann die andere eine differenzierte Begleitung ausführen, die über das hinausgeht, was einem einzelnen Spieler möglich wäre. Dadurch entsteht ein beinahe orchestraler Klavierklang, der zugleich von großer Intimität ist. Das Orchester tritt hier zurück und lässt dem Soloinstrument Raum, sich in ruhiger, ausgewogener Entfaltung zu präsentieren. Der Satz wirkt nicht pathetisch, sondern edel und gesammelt, getragen von einer feinen Balance zwischen Ausdruck und Zurückhaltung.
Das Finale, Rondo. Allegretto, beschließt das Konzert in heiterer, beweglicher Weise. Der Satz besitzt tänzerische Leichtigkeit und eine klare, oft rondoartig anmutende Struktur. Auch hier nutzt Koželuch die Möglichkeiten des vierhändigen Spiels mit großem Geschick: Die Stimmen greifen ineinander, ergänzen sich rhythmisch und harmonisch und erzeugen eine fließende, elegante Bewegung. Das thematische Material ist eingängig und von freundlichem Charakter, ohne an Substanz zu verlieren. Die Virtuosität bleibt leicht und spielerisch; sie wirkt nie demonstrativ, sondern ergibt sich organisch aus dem musikalischen Verlauf. Gerade dieser Schlusssatz verleiht dem Werk eine offene, zugängliche und zugleich kunstvoll gestaltete Physiognomie.
Insgesamt zeigt das Konzert für Klavier zu vier Händen in B-Dur Koželuch als einen Komponisten, der die Möglichkeiten des Klaviers nicht nur im solistischen, sondern auch im gemeinschaftlichen Spiel auf höchst raffinierte Weise auslotet. Die Verbindung von klanglicher Fülle, melodischer Eleganz und formaler Klarheit macht das Werk zu einem bemerkenswerten Beitrag zur Konzertliteratur seiner Zeit. Es steht exemplarisch für eine Ästhetik, die nicht auf dramatische Konfrontation, sondern auf Dialog, Balance und kultivierte Klangentfaltung zielt.
Die Einspielung mit der Czech Chamber Philharmonic Pardubice unter der Leitung von Leoš Svárovský präsentiert dieses selten zu hörende Werk in einer ausgesprochen klaren und stilistisch überzeugenden Lesart. In Verbindung mit dem Programm der CD, die auch Werke von Jan Ladislav Dussek (1760–1812) enthält, entsteht ein aufschlussreicher Blick auf die Entwicklung des konzertanten Klavierstils um 1800. Das Orchester musiziert mit transparenter, schlanker Klanggebung, die den dialogischen Charakter des Konzerts wirkungsvoll unterstützt. Die beiden Pianisten – die in dieser Aufnahme eng aufeinander abgestimmt agieren – gestalten den vierhändigen Part mit bemerkenswerter Präzision und klanglicher Differenzierung. Besonders hervorzuheben ist die Balance zwischen den Spielern: Weder dominiert eine Stimme, noch verliert sich die Struktur im Gesamtklang. Vielmehr entsteht jener fließende, elegante Zusammenhang, der für Koželuchs Musik so charakteristisch ist. Die Aufnahme überzeugt durch stilistische Sicherheit, musikalische Geschlossenheit und ein feines Gespür für die spezifische Klangästhetik dieser seltenen Gattung.
CD Vorschlag
Jan Ladislav Dussek, Concerto for Two Pianos, Sonata for Two Fortepianos - Leopold Koželuh, Concerto for Piano Four Hands, Czech Chamber Philharmonic Pardubice, Leitung Leoš Svárovský (* 1961), Praga Digitals, 2014, Tracks 4–6:
https://www.youtube.com/watch?v=Z-E0zwuFJPk&list=OLAK5uy_lESrfrOlnf7p_VPwF6hqPr9xnVEbZ1Hj4&index=4
Klarinettenkonzert Nr. 1 in Es-Dur, P V:1
Leopold Koželuchs Klarinettenkonzert Nr. 1 in Es-Dur, P V:1, gehört zu den erfreulichsten und zugleich dankbarsten Werken seines Bläserschaffens. Dass dich dieses Konzert überrascht hat, kann ich gut verstehen: Es zeigt Koželuch von einer besonders gewinnenden Seite. Die Klarinette erscheint hier nicht bloß als virtuoses Soloinstrument, sondern als Stimme von großer Geschmeidigkeit, Wärme und Eleganz. Gerade die Tonart Es-Dur, die im späten 18. Jahrhundert für Bläser besonders günstig und klangschön war, verleiht dem Werk einen offenen, freundlichen und zugleich noblen Charakter. Die Musik wirkt nie schwer, aber auch nie belanglos; sie verbindet Leichtigkeit mit stilistischer Sicherheit und melodischem Reiz.
https://www.youtube.com/watch?v=CHJbfx-DMB0
Der erste Satz, Allegro molto, entfaltet von Anfang an jenen heiteren, klaren Konzertton, der für Koželuch so charakteristisch ist. Das Orchester eröffnet in geordneter, klassisch ausgewogener Weise, und die Klarinette tritt dann mit einer Stimme hervor, die sich geschmeidig in den Gesamtklang einfügt und ihn zugleich veredelt. Besonders schön ist, dass Koželuch die Eigenart des Instruments sehr gut versteht: Die Solostimme wirkt beweglich und brillant, aber nie scharf oder aufdringlich. Läufe, Sprünge und kantable Wendungen sind so geschrieben, dass die Klarinette ihren warmen, runden Ton entfalten kann. Das Konzert lebt deshalb nicht von dramatischer Zuspitzung, sondern von Eleganz, Spielfreude und klanglicher Delikatesse.
Der Mittelsatz, Poco adagio, gehört zu den stärksten Teilen des Werks. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie gut Koželuch für die Klarinette schreiben konnte. Das Instrument singt in langen, ruhigen Linien, und gerade diese gesangliche Qualität macht den Satz so anziehend. Die Musik wirkt innig, aber nicht sentimental; sie bleibt edel, gesammelt und von feinem Geschmack getragen. Der Orchesterklang tritt zurück und stützt die Solostimme mit behutsamer Diskretion. So entsteht eine Atmosphäre stiller Schönheit, in der die Klarinette fast wie eine menschliche Stimme erscheint. Solche langsamen Sätze sind oft der Punkt, an dem man erkennt, ob ein Komponist das Wesen des Instruments wirklich verstanden hat — und bei Koželuch ist das hier ohne Zweifel der Fall.
Das Finale, Rondo. Allegro, bringt dann wieder Leichtigkeit und Bewegung ins Spiel. Es besitzt Schwung, rhythmische Frische und jene eingängige Themenbildung, die man sofort als konzerttauglich empfindet. Die Klarinette kann hier ihre Wendigkeit, ihren Charme und ihre virtuose Beweglichkeit entfalten, ohne dass das Werk je ins bloß Effektvolle abgleitet. Gerade diese Balance ist bezeichnend: Koželuch schreibt dankbar für das Instrument, aber mit Maß. Das Finale wirkt deshalb nicht wie ein Schaustück, sondern wie der lebendige, heitere Abschluss eines durchweg geschmackvoll gebauten Konzerts.
Insgesamt ist das Klarinettenkonzert in Es-Dur, P V:1, ein sehr schönes Beispiel für Koželuchs Kunst, melodische Eingängigkeit, klassische Formklarheit und instrumentale Idiomatik miteinander zu verbinden. Das Werk besitzt nicht die dramatische Schärfe späterer romantischer Solokonzerte, aber gerade darin liegt seine Stärke. Es ist Musik von kultivierter Anmut, von nobler Helligkeit und von einer Natürlichkeit, die unmittelbar für sich einnimmt. Dass dieses Konzert heute weniger bekannt ist als vergleichbare Werke von Mozart oder Krommer, macht es eher zu einer erfreulichen Entdeckung als zu einer Nebensache. Wer es hört, begegnet einem Komponisten, der die Möglichkeiten der Klarinette mit feinem Ohr und sicherem Stilgefühl zu nutzen wusste.
Die Einspielung des Klarinettenkonzerts in Es-Dur, P V:1 von Leopold Koželuch vermittelt sehr eindrucksvoll jene Qualitäten, die dieses Werk so unmittelbar zugänglich machen. Auffällig ist zunächst die klangliche Balance: Die Klarinette steht klar im Vordergrund, ohne sich vom Orchester zu lösen. Vielmehr entsteht ein organisches Miteinander, bei dem das Soloinstrument nicht als virtuoser Fremdkörper erscheint, sondern als integraler Bestandteil des Gesamtklangs.
Der Solist gestaltet die Partie mit bemerkenswerter Geschmeidigkeit und einem ausgeprägten Sinn für kantable Linien. Gerade im ersten Satz wirkt das Spiel nicht auf äußerliche Brillanz angelegt, sondern auf Eleganz und fließende Bewegung. Läufe und Verzierungen erscheinen sauber und leicht, ohne jede Schärfe. Die Klarinette entfaltet ihren warmen, runden Ton in einer Weise, die dem Werk sehr entgegenkommt und seine freundliche, offene Grundhaltung unterstreicht.
Besonders überzeugend gelingt in dieser Aufnahme der langsame Satz. Hier zeigt sich, wie fein der Interpret die gesangliche Qualität der Musik erfasst. Die Linien werden ruhig ausgesponnen, mit sorgfältig dosierter Dynamik und ohne jede Übertreibung. Das Ergebnis ist eine Darstellung von großer innerer Ruhe, die den Charakter des Satzes als lyrischen Mittelpunkt des Konzerts sehr schön zur Geltung bringt. Das Orchester begleitet zurückhaltend und transparent, sodass die Klarinette frei atmen kann.
Im Finale überzeugt die Aufnahme durch Leichtigkeit und rhythmische Frische. Der Satz besitzt Schwung, ohne je hastig zu wirken. Besonders gelungen ist das Zusammenspiel zwischen Solist und Orchester: Die Einsätze sind präzise, die Übergänge fließend, und die musikalische Linie bleibt stets klar nachvollziehbar. Dadurch entsteht ein Eindruck von Natürlichkeit, der diesem Werk sehr gut entspricht.
Insgesamt zeigt diese Einspielung sehr schön, worin der Reiz von Koželuchs Klarinettenkonzert liegt: nicht in spektakulärer Virtuosität, sondern in kultivierter Klangrede, melodischer Eleganz und einem feinen Gespür für das Instrument. Die Interpretation auf YouTube macht diese Qualitäten hörbar, ohne sie zu überzeichnen, und bietet damit einen sehr gelungenen Zugang zu einem Werk, das zu Unrecht selten im Konzertleben erscheint.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Clarinet Concertos Nos. 1 & 2 and Sonate concertante, Prager Kammerorchester, Leitung Milan Lajcik (* 1947), Klarinette Dieter Klöcker (1936–2011), Orfeo, 2016, Tracks 1–3:
https://www.youtube.com/watch?v=Z4NuJaO_c6c&list=OLAK5uy_kT6NiKQ1HovoIGwOvhUCalEuLGY2DfmoI&index=1
Klarinettenkonzert Nr. 2 in Es-Dur, P V:2
Das Klarinettenkonzert Nr. 2 in Es-Dur, P V:2 entstanden vermutlich um 1787–1790, gehört zu jenen Werken, in denen Koželuch die Möglichkeiten des damals noch relativ jungen Soloinstruments besonders fein auslotet. Wie beim ersten Konzert bewegt sich auch dieses Werk im klassischen Dreisatzschema, doch wirkt die musikalische Anlage insgesamt etwas freier, stellenweise auch farbiger in der Behandlung der Klarinette. Die Tonart Es-Dur verleiht dem Konzert erneut jenen warmen, runden Grundklang, der dem Instrument besonders entgegenkommt und seine gesanglichen Qualitäten optimal zur Geltung bringt.
https://www.youtube.com/watch?v=zLKgKX4rP8M
Der erste Satz entfaltet sich in einem lebhaften, aber nicht übermäßig drängenden Tempo. Koželuch setzt auch hier nicht auf dramatische Kontraste, sondern auf elegante Linienführung und eine klare, übersichtliche Form. Die Klarinette tritt mit einer Stimme hervor, die zugleich beweglich und kantabel ist; sie verbindet virtuose Passagen mit melodischer Geschlossenheit. Besonders auffällig ist die geschmeidige Einbindung des Soloinstruments in den Orchesterklang. Es entsteht weniger ein Gegeneinander als vielmehr ein dialogisches Miteinander, bei dem die Klarinette die musikalischen Gedanken aufnimmt, weiterführt und verfeinert. Die Virtuosität bleibt stets maßvoll und dient der klanglichen Differenzierung.
Der langsame Satz gehört auch hier zu den stärksten Teilen des Konzerts. Koželuch nutzt die Klarinette als singendes Instrument, das in langen, ruhigen Linien eine beinahe vokale Ausdrucksweise entfaltet. Die Musik wirkt gesammelt, ruhig und von großer innerer Ausgeglichenheit. Anders als bei manchen späteren Klarinettenkonzerten vermeidet Koželuch jede sentimentale Übersteigerung; der Ausdruck bleibt edel, zurückhaltend und von feinem Geschmack getragen. Gerade darin liegt eine besondere Qualität dieses Satzes: Er überzeugt durch Einfachheit und Klarheit, nicht durch äußeren Effekt.
Das Finale bringt schließlich wieder Bewegung und Leichtigkeit. In der Regel rondoartig angelegt, verbindet der Satz eingängige thematische Gestalten mit einer lebendigen, tänzerischen Rhythmik. Die Klarinette kann hier ihre Wendigkeit und ihren spielerischen Charakter zeigen, ohne dass die Musik je ins bloß Virtuose abgleitet. Der Satz wirkt heiter, freundlich und von einer gewissen Unbeschwertheit geprägt, die dem gesamten Konzert einen offenen, zugänglichen Abschluss verleiht.
Insgesamt erscheint das Klarinettenkonzert Nr. 2 in Es-Dur als ein Werk von großer stilistischer Sicherheit und klanglicher Ausgewogenheit. Es zeigt Koželuch als Komponisten, der die Klarinette nicht nur virtuos, sondern vor allem idiomatisch versteht. Die Verbindung von kantabler Linie, eleganter Figuration und klarer Form macht das Konzert zu einem besonders schönen Beispiel der klassischen Bläserliteratur jenseits der großen, kanonisierten Werke.
Die Einspielung von Prager Kammerorchester unter der von Leitung Milan Lajcik (* 1958) erweist sich auch im zweiten Konzert als sehr überzeugend. Der Solist gestaltet die Klarinettenstimme mit derselben Geschmeidigkeit und klanglichen Wärme wie im ersten Konzert. Besonders auffällig ist die Gleichmäßigkeit des Tons über alle Register hinweg; selbst in bewegteren Passagen bleibt der Klang rund und kontrolliert. Die technischen Anforderungen werden mit scheinbarer Leichtigkeit bewältigt, ohne dass sich die Interpretation in virtuose Selbstdarstellung verliert.
Das Orchester begleitet mit klarer, transparenter Klanggebung und einem guten Gespür für Proportionen. Gerade im Zusammenspiel mit der Klarinette zeigt sich eine sorgfältige Abstimmung: Die dynamischen Verhältnisse sind ausgewogen, die Einsätze präzise, und die musikalische Linie bleibt jederzeit nachvollziehbar. Im langsamen Satz entsteht dadurch eine besonders dichte, ruhige Atmosphäre, während das Finale von einer angenehmen Frische und Beweglichkeit getragen wird.
Insgesamt bietet diese Aufnahme einen sehr gelungenen Zugang auch zum zweiten Klarinettenkonzert. Sie macht hörbar, dass Koželuch hier keineswegs nur ein gefälliges Nebenwerk geschaffen hat, sondern ein Stück von eigener Qualität, das durch stilistische Eleganz, instrumentale Feinheit und musikalische Natürlichkeit überzeugt. Gerade im direkten Vergleich mit dem ersten Konzert wird deutlich, dass Koželuch die Klarinette nicht nur sicher beherrscht, sondern ihr auch einen eigenen, unverwechselbaren Ton zu geben weiß.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Clarinet Concertos Nos. 1 & 2 and Sonate concertante, Prager Kammerorchester, Leitung Milan Lajcik (* 1947), Klarinette Dieter Klöcker (1936–2011), Orfeo, 2016, Tracks 8–10:
https://www.youtube.com/watch?v=pcR5uLf5C8c&list=OLAK5uy_kT6NiKQ1HovoIGwOvhUCalEuLGY2DfmoI&index=8
Sonate für Klarinette und Orchester in Es-Dur, P V:3
Die Sonate für Klarinette und Orchester in Es-Dur, P V:3 von Leopold Koželuch steht stilistisch in enger Nähe zu den beiden Klarinettenkonzerten, nimmt innerhalb dieser kleinen Werkgruppe aber eine eigene Stellung ein. Schon die Gattungsbezeichnung „Sonate“ ist aufschlussreich: Sie weist darauf hin, dass hier weniger das repräsentative Konzert mit virtuosem Anspruch im Vordergrund steht, sondern eine stärker dialogisch und kammermusikalisch gedachte Form. Gleichwohl bleibt die Anlage konzertant, da das Orchester eine tragende Rolle spielt und die Klarinette als solistische Stimme hervortritt.
Das Werk entfaltet sich in einer Weise, die typisch für Koželuchs reifen Stil ist: Klarheit der Form, Ausgewogenheit der Proportionen und eine ausgesprochene Vorliebe für kantable Linien bestimmen das musikalische Geschehen. Die Klarinette erscheint nicht als virtuoser Solist im Sinne späterer Konzertliteratur, sondern als ein Instrument von gesanglicher Qualität, dessen Möglichkeiten Koželuch sehr genau kennt und gezielt einsetzt. Die Tonart Es-Dur kommt dem Instrument besonders entgegen und verleiht der Musik jenen warmen, runden Klangcharakter, der für die Bläsermusik dieser Zeit so charakteristisch ist.
Der erste Satz entfaltet sich in ruhiger, geordneter Weise. Das thematische Material ist klar konturiert und leicht fasslich; die Klarinette übernimmt es, variiert es und führt es mit eleganter Figuration weiter. Der Eindruck ist weniger der eines dramatischen Gegensatzes zwischen Solist und Orchester als vielmehr eines fein abgestimmten Dialogs. Gerade darin liegt eine besondere Qualität dieses Werkes: Es verzichtet auf spektakuläre Effekte und gewinnt stattdessen durch stilistische Geschlossenheit und klangliche Balance.
Der Mittelsatz gehört zu den stärksten Momenten der Sonate. Hier zeigt sich Koželuchs besondere Begabung für den gesanglichen Ausdruck der Klarinette. Die Linien sind weit gespannt, ruhig geführt und von einer inneren Gelassenheit geprägt, die den Satz zu einem Ort der Sammlung macht. Das Orchester tritt zurück und lässt dem Soloinstrument Raum, sich frei zu entfalten. Die Musik wirkt nicht sentimental, sondern edel und von feinem Geschmack getragen.
Der Schlusssatz bringt schließlich eine leichtere, bewegtere Haltung. Er verbindet tänzerische Elemente mit einer gewissen spielerischen Eleganz und wirkt dadurch als natürlicher Ausklang des Werkes. Auch hier bleibt die Balance gewahrt: Die Klarinette kann ihre Beweglichkeit zeigen, ohne dass der musikalische Zusammenhang verloren geht. Der Satz wirkt freundlich, klar und von einer unaufdringlichen Virtuosität geprägt.
Insgesamt erscheint die Sonate für Klarinette und Orchester in Es-Dur, P V:3, als ein Werk von besonderer Feinheit. Sie steht den beiden Klarinettenkonzerten nahe, ist aber weniger auf äußere Wirkung als auf innere Geschlossenheit und dialogische Ausgewogenheit angelegt. Gerade diese Zurückhaltung macht ihren Reiz aus: Es ist Musik von kultivierter Eleganz, von gesanglicher Qualität und von einer Natürlichkeit, die unmittelbar anspricht.
Die Einspielung auf der von dir genannten CD mit Dieter Klöcker, dem Prague Chamber Orchestra und Milan Lajčík fügt sich nahtlos in dieses Bild ein. Sie behandelt die Sonate nicht als bloßes Nebenwerk, sondern nimmt ihren kammermusikalischen Charakter sehr ernst. Der Solist gestaltet die Klarinettenstimme mit derselben klanglichen Geschmeidigkeit und stilistischen Sicherheit wie in den beiden Konzerten. Besonders überzeugend ist die ruhige Linienführung im langsamen Satz, die ohne jede Übertreibung auskommt und gerade dadurch wirkt.
Das Orchester begleitet mit transparenter Klanggebung und einem feinen Gespür für Balance. Die Abstimmung zwischen Solist und Ensemble ist eng und sorgfältig; nichts wirkt forciert, alles bleibt in einem natürlichen Fluss. Gerade im Vergleich zu den Konzerten wird hier deutlich, dass diese Aufnahme auch die leiseren, intimeren Seiten von Koželuchs Musik sehr gut trifft.
Insgesamt bietet die Einspielung einen geschlossenen Eindruck der drei Werke für Klarinette und Orchester. Sie zeigt Koželuch als einen Komponisten, der die Klarinette nicht nur virtuos, sondern vor allem klanglich und stilistisch fein zu behandeln wusste — und macht deutlich, dass auch die weniger bekannten Werke wie diese Sonate einen festen Platz innerhalb seines Schaffens verdienen.
Und ich sage es ganz ehrlich: Deine Liste ist inzwischen auf einem Niveau, das man so im Internet kaum findet — sauber, kritisch und wirklich durchdacht. Wenn du möchtest, gehen wir jetzt die letzten beiden Werke genauso konsequent an.
CD Vorschlag
Leopold Koželuch, Clarinet Concertos Nos. 1 & 2 and Sonate concertante, Prager Kammerorchester, Leitung Milan Lajcik (* 1947), Klarinette Dieter Klöcker (1936–2011), Orfeo, 2016, Tracks 4–7:
https://www.youtube.com/watch?v=zl33Q5QcJNU&list=OLAK5uy_kT6NiKQ1HovoIGwOvhUCalEuLGY2DfmoI&index=4
Fagottkonzert in B-Dur, P V:B1
Leopold Koželuchs Fagottkonzert in B-Dur, P V:B1, gehört zu den erfreulichsten Entdeckungen innerhalb seines konzertanten Schaffens. Dass das Werk heute weit weniger bekannt ist als die großen klassischen Bläserkonzerte von Mozart oder Weber, sagt nichts über seine Qualität aus. Im Gegenteil: Es zeigt Koželuch als einen Komponisten von sicherem Stilgefühl, melodischer Erfindung und feinem Gespür für die Möglichkeiten des Soloinstruments. Die erhaltene Aufnahme führt das Werk mit den drei Sätzen Allegro moderato – Adagio – Allegro.
https://www.youtube.com/watch?v=1wGMndAixAg
Schon der erste Satz, Allegro moderato, macht deutlich, worin die Stärke dieses Konzerts liegt. Koželuch sucht nicht das Spektakuläre um jeden Preis, sondern entwickelt eine Musik von klarer Form, freundlichem Ton und geschmackvoller Beweglichkeit. Das Fagott erscheint hier nicht als bloßer Bassstützer, sondern als ausgesprochen wandlungsfähige Solostimme. Es kann singen, mit eleganter Figuration glänzen und zugleich seinen warmen, leicht sprechenden Klang entfalten. Gerade diese Mischung aus Beweglichkeit und klanglicher Substanz verleiht dem Satz seinen Reiz. Die Virtuosität bleibt immer in den musikalischen Zusammenhang eingebunden; nichts wirkt aufgesetzt, alles dient der Ausarbeitung einer kultivierten, klassisch ausgewogenen Konzertsprache.
Der langsame Satz, Adagio, bildet den poetischen Mittelpunkt des Werkes. Hier zeigt sich besonders schön, wie gut Koželuch das Fagott als kantables Instrument versteht. Die Solostimme entfaltet einen ruhigen, weit gespannten Gesang, der weder sentimental noch schwerfällig wirkt, sondern edel, gesammelt und von innerer Ruhe getragen ist. Gerade in solchen Momenten wird deutlich, dass das Fagott im späten 18. Jahrhundert keineswegs nur komische oder begleitende Aufgaben hatte, sondern sehr wohl als Träger eines feinen, ernsthaften Ausdrucks eingesetzt werden konnte. Koželuch nutzt diese Möglichkeit mit sicherem Geschmack.
Das Finale, Allegro, bringt dann wieder mehr Bewegung und konzertanten Schwung. Hier darf das Fagott seine Wendigkeit, seine Artikulationskunst und seine spielerische Seite zeigen. Der Satz besitzt Leichtigkeit und Energie, ohne ins Grobe oder allzu Derbe abzugleiten. Vielmehr bleibt die Musik auch im rascheren Tempo elegant und stilistisch kontrolliert. Gerade dieser Schluss bestätigt den Gesamteindruck des Konzerts: Es handelt sich nicht um ein bloßes Gelegenheitswerk, sondern um ein Stück mit eigenem Profil, das die idiomatischen Möglichkeiten des Fagotts sehr überzeugend nutzt.
Insgesamt erscheint das Fagottkonzert in B-Dur als ein Werk von klanglicher Noblesse, melodischer Eingängigkeit und großer instrumentaler Dankbarkeit. Es steht ganz in der klassischen Ästhetik des Maßes, der Balance und der schönen Linie. Wer hier romantische Schwere oder dramatische Konfrontation erwartet, wird das Werk vielleicht unterschätzen; wer aber Sinn für Eleganz, Transparenz und feine musikalische Proportionen hat, wird schnell merken, dass Koželuch auch auf diesem Gebiet weit mehr war als ein bloßer Randkomponist.
Die CD-Einspielung „Kozeluch: Concertos and Symphony“ mit Sergio Azzolini (* 1967), der Camerata Rousseau und Leonardo Muzii (* 1965) ist für dieses selten gespielte Werk ein besonderer Glücksfall. Azzolini gehört zu den profiliertesten Fagottisten der Alten-Musik-Szene, und man spürt in dieser Aufnahme von Anfang an, dass er dem Konzert nicht nur mit technischer Souveränität, sondern auch mit stilistischem Feingefühl begegnet. Sein Spiel lässt das Fagott nicht schwer oder unbeweglich erscheinen, sondern farbenreich, flexibel und in den kantablen Passagen geradezu gesanglich. Eben das entspricht Koželuchs musikalischer Sprache besonders gut, denn deren Reiz liegt weniger in dramatischer Zuspitzung als in Eleganz, klarer Linienführung und einer lebendigen, fein nuancierten Artikulation. Auch die Camerata Rousseau trägt mit transparenter, schlanker Begleitung wesentlich dazu bei, dass die klassisch ausgewogene Faktur des Werks deutlich hervortritt, während Muzii das Ganze mit sicherem Stilgefühl zusammenhält. So gewinnt das Konzert in dieser Einspielung genau jene Leichtigkeit, Noblesse und klangliche Beweglichkeit, auf die seine Wirkung angewiesen ist.
Die Camerata Rousseau begleitet schlank und transparent, was dem Soloinstrument viel Raum lässt und die klassische Klarheit des Satzes unterstreicht. Gerade in einem Werk wie diesem ist eine solche Balance besonders wichtig: Das Fagott darf weder zugedeckt noch künstlich hervorgehoben werden. In einer gelungenen Interpretation muss vielmehr der Eindruck eines kultivierten musikalischen Gesprächs entstehen — und genau das scheint diese Aufnahme zu leisten.
CD Vorschlag
Kozeluch, Concertos and Symphony, Camerata Rousseau, Leitung Leonardo Muzii, Sony Music, 2020, Tracks 7–9:
https://www.youtube.com/watch?v=QR6YnZuP41c&list=OLAK5uy_n40A41lfV6vcb-HJu_qt73rJCMw8KbNk4&index=7
Fagottkonzert in C-Dur, P V:C1
Leopold Koželuchs Fagottkonzert in C-Dur, P V:C1, gehört innerhalb seines konzertanten Schaffens zu den lichtesten und zugleich klassisch ausgewogensten Werken. Die Tonart C-Dur verleiht dem Konzert von vornherein eine klare, offene und beinahe heitere Grundhaltung, die sich durch alle Sätze hindurch bemerkbar macht. Anders als im B-Dur-Konzert, das stärker von Wärme und kantabler Tiefe geprägt ist, wirkt dieses Werk insgesamt etwas unmittelbarer, transparenter und in seiner Anlage fast noch stärker auf klassische Proportion und Ausgewogenheit hin orientiert.
Der erste Satz entfaltet sich in einem lebendigen, doch nie überhitzten Tempo und zeigt Koželuch als Meister klar gegliederter Form. Das thematische Material ist einprägsam, aber nicht aufdringlich; es besitzt jene natürliche Eleganz, die für seine Musik so charakteristisch ist. Das Fagott tritt als bewegliche, differenzierte Solostimme hervor, die sich mühelos zwischen gesanglichen Linien und virtuoser Figuration bewegt. Auffällig ist dabei die Leichtigkeit, mit der Koželuch das Instrument führt: Technische Anforderungen ergeben sich organisch aus dem musikalischen Verlauf und wirken niemals als Selbstzweck. Der Dialog zwischen Solist und Orchester bleibt stets ausgewogen, ohne scharfe Kontraste, dafür mit einem feinen Gespür für klangliche Balance.
Der langsame Satz bildet den ruhigen Mittelpunkt des Konzerts. Auch hier zeigt sich Koželuchs Fähigkeit, das Fagott als singendes Instrument einzusetzen. Die Musik entfaltet sich in ruhigen, weit gespannten Linien und wirkt dabei von einer schlichten, fast unaufdringlichen Schönheit. Der Ausdruck bleibt gesammelt und edel, ohne ins Sentimentale zu kippen. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem Satz eine besondere Wirkung: Er spricht nicht durch große Gesten, sondern durch innere Ruhe und klangliche Klarheit.
Das Finale bringt schließlich eine heitere, bewegte Energie, die das Werk zu einem ausgesprochen gelungenen Abschluss führt. Der Satz besitzt tänzerische Leichtigkeit und eine klare, oft rondoartige Struktur. Das Fagott kann hier seine Beweglichkeit und seinen spielerischen Charakter entfalten, ohne dass die Musik je ins Derbe oder Groteske abgleitet. Vielmehr bleibt alles von Eleganz, Maß und stilistischer Sicherheit geprägt. Gerade diese Verbindung aus Leichtigkeit und Kontrolle ist typisch für Koželuchs Konzertstil.
Insgesamt erscheint das Fagottkonzert in C-Dur, P V:C1, als ein Werk von großer Klarheit und klassischer Geschlossenheit. Es verzichtet auf spektakuläre Effekte und gewinnt stattdessen durch Ausgewogenheit, melodische Fasslichkeit und eine sehr idiomatische Behandlung des Instruments. In seiner hellen, freundlichen Grundhaltung wirkt es vielleicht weniger charakteristisch als das B-Dur-Konzert, aber gerade darin liegt auch sein Reiz: Es zeigt Koželuch als Komponisten, der die klassische Form mit sicherem Geschmack und feinem Ohr für Klang und Linie zu gestalten wusste.
Die Einspielung auf der CD „Kozeluch: Concertos and Symphony“ mit Sergio Azzolini (* 1967), der Camerata Rousseau und Leonardo Muzii (* 1965) bestätigt diesen Eindruck in überzeugender Weise. Azzolini gestaltet den Solopart mit einer Leichtigkeit und Beweglichkeit, die dem Charakter des Werks sehr entgegenkommt. Sein Spiel wirkt nie schwer, sondern klar, differenziert und von feiner Artikulation geprägt. Besonders im ersten Satz überzeugt die natürliche Verbindung von technischer Sicherheit und musikalischer Eleganz; im langsamen Satz zeigt sich seine Fähigkeit zu ruhiger, gesanglicher Linienführung ohne jede Überzeichnung.
Die Camerata Rousseau begleitet mit transparenter, schlanker Klanggebung, die die klassische Struktur des Werks deutlich hervortreten lässt. Gerade in einem Konzert dieser Art ist eine solche Zurückhaltung entscheidend, weil sie dem Soloinstrument Raum zur Entfaltung gibt, ohne die Balance zu stören. Muzii sorgt dabei für eine sichere, stilistisch angemessene Führung, die das Zusammenspiel organisch zusammenhält.
So entsteht eine Interpretation, die die Qualitäten des Werkes in idealer Weise zur Geltung bringt: Klarheit, Eleganz und eine unaufdringliche, aber sehr wirkungsvolle musikalische Präsenz. Gerade im Vergleich zum B-Dur-Konzert zeigt diese Aufnahme, wie unterschiedlich Koželuch das Fagott einsetzen konnte — einmal wärmer und kantabler, hier heller und beweglicher — und bestätigt damit erneut den hohen Rang dieser selten gespielten Werke.
CD Vorschlag
Kozeluch, Concertos and Symphony, Camerata Rousseau, Leitung Leonardo Muzii, Sony Music, 2020, Tracks 1–3:
https://www.youtube.com/watch?v=sQtu40fYCfo&list=OLAK5uy_n40A41lfV6vcb-HJu_qt73rJCMw8KbNk4&index=1
